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der auf der kalten Unterlage als Glatteis gefriert, theils auseiner Reifbildung durch Condensation des in der Luft aufge-lösten Wasserdampfes; aber, abgesehen von dem wenigerdichten Zustande dieses Eises im Vergleich mit Glatt- undReifeis 14 , beweist die Häufigkeit der Eiskrusten auf derTagseite, das Vorwalten des pulverigen Schnee’s auf derSchattenseite der Berge, dass die von Saussure 15 angege-bene Ursache einer wirklichen Schmelzung die richtigeist. Dieselbe scheint indess nicht sowohl von der Wärmeder Luft als von der direkten Einwirkung der Sonnenstralenherzurühren. Temperaturen von 10 und 12°, wie sieSaussure 10 auf dem Col du G&mt (3436 Met.), Zumstein 17auf dem Monte-Rosa in den heissesten Stunden des Juliund August beobachteten, sind eine Seltenheit und geltenjedenfalls nicht mehr für die auf dem Schnee ruhende Luft-schicht, während hingegen die Sonnenstralen, begünstigtdurch die Höhe des Standortes und die geneigte Lage derAbhänge, eine ungewöhnliche Kraft zu entwickeln vermögen.
Hocheis und Seracs. — Aber nicht bloss die Ober-fläche, auch das Innere der Schneemasse kann bei oft wie-derholter Schmelzung sich mit Wasser und durch nachherigeKälte mit Eis durchdringen. Desor 18 stiess bei Besteigungdes Schreckhorns in 3500 Met. auf ganze Schneeflächen, die,völlig durchtränkt, das Wasser in jeder Vertiefung hervor-treten liessen. Ist die Schneeschicht nicht dick, so sickertdas Wasser leicht bis auf den Grund derselben, wo es, vomFelsen gehindert, alle Lücken erfüllt und zu einem ausge-zeichnet dichten und glasigen Eise gefriert, dem Hocheise
** Desor, Ascension de la Jungfrau. Bibi. uuiv. 1841 Nov.
‘5 Saussure, Voyag., IV, § 2013, p. 203, § 2054, p. 251.
16 Saussure, Voyag., IV, § 2051, p. 241.
>7 Weiden, Monogr., p. 108 u. 125.
** Desor, Excursions, p. 530.
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