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Geschichte der Wasserkirche und der Stadtbibliothek in Zürich / von Salomon Vögelin
Entstehung
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Die Walserkirche nach ihren drei Haupt-Perioden.

I. Kirchliche Periode

Zweiter Abschnitt.

Von Herstellung des gegenwärtigen Gebäudes, bis zur gänzlichen Ausräumung desselben zur Zeit

der Reformation.

Von 1479 bis 1324.

Es hatte die alte Kapelle, welche so aus einem wenigbeachteten Privatheiligthum zu einem öffentlichen,hochgefeierten Gnadenorte war erhoben worden, eine unbekannte Zahl von Jahrhunderten gestanden, alsman gegen das Ende des XV. Jahrhunderts zu nicht geringem Schrecken gewahr wurde, daß die westlichegegen die kleine Stadt gerichtete Mauer derselben sich in das Wasser senkte und den Einsturz drohte H. Einenähere Untersuchung zeigte, daß eine bloße Ausbesserung hier nicht mehr ausreiche, sondern dem Uebel nurdadurch wahrhaft geholfen werden könne, daß die Kapelle von Grund aus neu aufgeführt werde. GlücklicherWeise war damals (von 1477 an) Waldmann gerade Bauherr der Stadt, der wie überall, so namentlichauch in baulichen Einrichtungen auf Großartiges ausging?). So wurde denn, höchst wahrscheinlich ausWaldmanns Antrieb, die Erbauung einer ganz neuen, weit größer» und architektonisch ausgezeichnetenKapelle eben des Gebäudes, welches wir noch gegenwärtig vor Augen haben den Stadtheiligen zuEhren und der Stadt zur Zierde vom Rathe beschlossen, die Ausführung des Baues dem Meister HansFelder, der Stadt Werkmeister in Stein, übergeben,^) und gegen Weihnachten des Jahres 1479 damit der

t) Der gleichzeitige Predigermönch Albrecht von Weißenstein äs slbo lspicle) sagt in seinem ausführlichen Traktat:Empfehlungdes päbstlichen Ablasses" ausdrücklich, die Wafferkirche sei neulich vor Alter in's Wasser gesunken lscdvsiaw in looo msrtz'rii lbslicis«4 kegulso olim oonslruolain et nuper ex veluslals in üuvinin eollapsnin). Eben dieses sagt Bartenstein in seiner Legendevon St. Felir und Regula S. 134.

2) So bewirkte Waldmann als Bürgermeister auch den Rathsbeschluß im Jahr 1488, daß die beiden Großmünsterthürme, wo-von der Glockeuthurm nur mit einem sehr niedrigen Hute wie die Glockenthürme in Italien bedeckt, der andere (Karlsthurm) nichthöher als bis zum Kirchendache aufgeführt war, auf- und ausgebaut, und mit hohen kostbaren Spitzhelmen geziert werden sollte».

3) Dieser sehr geschickte Steinmetz Hans Felder, ursprünglich von Oertinge» im Ries (im Würtembergische») gebürtig, und aufLichtmeffe 1475seiner Kunst wegen" von der Stadt mit dem Bürgerrechte beschenkt und zum Stadtwerkmeister ernannt, erbaute auch1478 die St. OswaldSkirche in Zug, deren Gewölbe so viel Ähnlichkeit mit demjenigen der Wafferkirche hat, und die Kirche zu St,Wolfgang ebenfalls im Kanton Zug, mit ihrem kunstreichen steinernen Tabernakel (StadlinS Geschichte von Zug Bd. IV. S. 255.)Höchst wahrscheinlich ist er ebenfalls der Erbauer des herrlichen Chores der 1493 95 neu aufgeführten Kirche in Meilen. Späterscheint er auch in Waldmanns Fall vermuthlich als dessen Anhänger verwickelt, und deßwegen seiner Stelle entsetzt worden zu sehn,welche er, ungeachtet die Eidgenossen (Samstag vor Pankratiustag 1489) Fürbitte für ihn einlegten, nicht wieder erhielt.