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Geschichte der Wasserkirche und der Stadtbibliothek in Zürich / von Salomon Vögelin
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wurden, wie die damalige Zeit es nicht vertrug. Dieses und die Unbesonnenheiten und sittlichen BlößenWaldmanns hatten seine Feinde mit Schlauheit benutzt, um ihn zu Stadt und Land immer verhaßter zumachen, und so unfehlbar sein Verderben zu bereiten. Er achtete das sich wider ihn zusammenziehendeUngewitter geringe und bot ihm Trotz, bis die längst angezettelte und wohl geleitete Verschwörung unverse-hens über sein Haupt hereinbrach, indem eine erhitzte aufrührerische Rotte von Bürgern, an der SpitzeLazarus Göldlin, sein Todfeind, mit Gewalt in die Rathsstube vor den versammelten Rath drang, undunter schadenfroher Begünstigung der Eidgenössischen Boten, die zur Vermittlung zwischen Stadt und Land-schaft gekommen waren, Waldmanns und anderer seiner Freunde und Miträthe Auslieferung begehrte, und

sie gefangen nach dem Wellenberg abführte. Am Nachmittage desselben Tages (1- April 1489) ward von

den nun siegreichen Verschwornen die Bürgerschaft schleunig in die Wasserkirche zusammen berufen^),wo dann in dieser ungesetzlichen Versammlung unter Beiziehung der beiden Anführer des Bauernauflaufes,der bei achttausend Mann stark vor die Stadt sich gelagert hatte, der ganze Rath ohne weiters entsetzt,derselbe Lazarus Göldlin zum Stadthauptmann mit ausgedehnter Gewalt ernannt, und ihm aus der Zahlseiner Creaturen in tumultuarischer Ernennung noch sechszig Mann beigesellt wurden, welche zusammen dasneue Regiment bildeten, das seiner Ungeschicklichkeit und Unbändigkeit wegen den Spottnamen der hör-nerne Rath erhielt, und welcher nach wenigen Tagen das Todesurtheil über Waldmann als über den

größten Tyrannen und Hochverräther, so wie noch über ein Paar andere seiner Miträthe, aussprach und

dessen großes Vermögen durch Bewirthung der um die Stadt her gelagerten aufrührerischen Bauern, durchBelohnung der Anhänger der Verschworenen und Feinde Waldmanns für ihre geleisteten Dienste^) und aufandere Weise gänzlich verschleuderte.

Es war die Wasserkirche durch diesen Vorgang doppelt befleckt worden, einmal durch den tumultuarischen,Gesetze und Verfassung unter die Füße tretenden Akt der Entsetzung der alten Räthe, und dann daß dieserAkt in wildem Hasse gerade wider den Mann gerichtet war, der unter anderm mit Erbauung eben diesesTempels Zürich geschmückt hatte. So stand diese schöne und hehre Kapelle nunmehr als ein Zeuge dertraurigsten politischen Verirrung und Erniedrigung Zürichs und zugleich als ein anklagender Zeuge schnö-desten Undankes gegen den treuesten, großherzigsten und verdienstvollsten Bürger, der, von Verblendung undBosheit schmählich hingemordet, in der gegenüberliegenden Abteikirche nun den langen Todesschlaf schlieft).

37) S. Edlibachs Chronik Mscr. S. 446.

38) Unter diese thätigen Beförderer der Plane von Waldmanns Feinden mochte auch der Kaplan des St. Stephans Altars in derWafferkirche Johannes Zay gehört haben, da der Rath beschloß,daß das Kreuz, so des Waldmanns sel. gewesen und auf einenMeßachel (Meßgewand) verordnet worden, dem Herren Hans Zay Kaplan in der Wasserkirche an ein Meßachel durch Gottes Willengegeben (geschenkt) werde". Rathsmanual 1490 Mont. nach Margarethen.

39) Es hatte nämlich Waldmann »orlängst sein Begräbniß in der Kirche zum Frauenmünster erwählt und daselbst reiche Jahr-zeiten gestiftet.