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Und so war das dem täglichen feierlichen Gottesdienste geweihte Gebäude jetzt zu einer Markthalle für die niedrigstenKrämer an den Wochen- und Jahrmärkten herabgesunken.
Es hatten ferner feit der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts Handel und Gewerbe in Zürich wiederbedeutend zugenommen, nachdem sie früher in tiefen Verfall gerathen waren. — Schon im zwölften Jahrhundertwar Zürich eine gewerbreiche und bedeutende Handelsstadt. Durch ihre glückliche Lage zwischen Deutschland und Italien vermittelte sie den Handel zwischen beiden Ländern. Die venetianifchen Kaufmannsgüter wurdenüber Zürich weiter geführt, und hinwiederum ging viel Waare aus Deutschland über Zürich durch dasEngadin nach Italien , da die Wasserstraßen für den Verkehr weit bequemer, wohlfeiler und sicherer warenals die Landstraßen. Auch zogen nach Schleifung der Stadt Mailand (1162) viele Lombarden mit ihrenGewerben, Manufakturen in Leinen, Wolle und Seide, hieher. Und wenn gleich bei den furchtbaren politischenZerrüttungen und Kriegen unter Kaiser Friedrich II. und seinen Nachfolgern, welche bald hierauf eintraten,und bei allgemein gewordenem Faustrecht, so daß ohne Geleit vorn Landesherr» Niemand mehr sicher reisenkonnte, aller Handel für einmal wieder danieder lag, so erhob er sich, als unter der Kaiser - Regierung Rudolfsvon Habsburg Friede, Ruhe und Ordnung wiederkehrte, nach und nach wieder, und um so bedeutender, je mehrdie Stadt Freiheit und Selbftständigkeit gewann"). Aber die Regimentsänderung um die Mitte des XIV.Jahrhunderts und die Fehden mit den Nachbarn, die sich die Stadt dadurch zuzog, entzündete bei denBürgern einen kriegerischen Geist und die Ländergier, worüber sie Handel und Gewerbe vernachläßigten,so daß sich diese zu Anfange des XV. Jahrhunderts wieder anders wohin zogen, und so ganz sich verloren,daß die Bürger nur auf die gröbsten Manufakturen, auf die Schiffahrt, auf den Weinbau") und auf dieLandwirthschaft vornämlich beschränkt waren. Aber auch diese Nahrungsquelle wurde durch den sogenanntenalten Zürichkrieg noch zu Grunde gerichtet, da die Eidgenossen überall das Zürichgebiet verwüsteten. Wasvon da an Einfachheit, Mäßigkeit, Redlichkeit und ausdauernder Fleiß allmählig in dieser Beziehung wiederaufbaute, das verdarben dann die burgundischen Kriege auf's neue, und mit dem Sturze Waldmanns,der auch durch Handel und Gewerbe den Wohlstand wieder empor zu bringen bedacht war, machte der öko-nomische und Gewerbs-Verfall, wie der sittliche Verfall, unaufhaltsame Fortschritte, und ward endlich durch dieschwäbischen und mailändischen Kriege vollendet. Pensionen und wildes Reislaufen war fast die einzigeNahrungsquelle, jene für die Vornehmen, dieses für die Armen, Müssigang mit seinen Lastern allgemeineSitte").
13) Wie stark diese Wollen-, Zwillich- und Leinenmanufakttiren im XU. und xm. Jahrhundert hier INI Flor waren, ergibt sich ausden sorgfältigen Rathsverordnungen darüber, die sich im Richtbrief (ältestem Stadtgesetze) finden. Siehe Helvet. Bibliothek Th. 2.S. 55 ff. Es hatte eine eigene Wollwebergaffe, welche bei Wackerbolds Brunst 1280 ganz abbrannte. Ebenso hieß eine Gaffe dieGerwergaffe. Schinz Versuch einer Geschichte der Handelschaft der Stadt und Landschaft Zürich . S. 77.
14) In der Instruktion auf die Tagsatzung von 1437 im Streite mit Schwvz entwirft der Rath von Zürich folgende Schilderungvon dem Zustande seines Landes: „Der größte und beßte Nutzen, den unsere Stadt nnd der ganze Zürichsee hat, ist an Reben, derenwir wenig haben, und ist sonst keinerlei Gewerb in unser Stadt, dessen wir genießen mögen". Beiträge zu Lauster Th. 3. S. 2g.
15) „Mit Arbeit will sich niemand mer neeren, man laßt die Güter verstuden an vil Orten und wüst ligen, daß man nit arbeyter„hat, wiewol man Volks genug hätte, dazu ein gut Erdrych, das üch rvchlich erziehen mag; treyt es nit Zymmet, Nägelin, Pome-ranzen, Syden — so treyt eS Anken, Milch, Pferd, Schaaf, Veh, Landtuch, Wyn, Korn überflüssig, daß ir daby schöne starke„Lüt erziehen, und was ir in üweren Ländern nit habend, ring mit dem üweren, deß andre Menschen manglend, ertuschen und kaufen„mögend. Daß ir üch aber deß nit haltend, kumyt uß dem eignen Nutz, den hat man unter üch gebracht, der fürt üch von der„Arbeyt zu dem müfsig sitzen. — Und wo ein frommer Mann ein redlichen Sun erzogen hat, leitend im den die Hauvtlüt, das er„in die allergrösten Gevärd, Hungers, Töden, Krankheiten und Schlachten gefürt Wirt, und so er fin erübriget Gelt rechnet, hätt er da-„heym mit Tröschen alle Tag um vier Pfennig und Syys mer fürgeschlagen, ging es im joch so wol das er vor der Rechnung nüt erstochen„und erschlagen würd; und demnach erst fin armer alter Vater, den er mit finer Arbeyt soll erzogen hau, ouch in Bettel wird gericht;„aber denen die das Geld secklend, denen manglet daby nütz". — Ein trüw und ernstlich Vermanung an die frommen Eydgenoffen (vonZwingli ) 1524. Huldr. Zwinglis Werke von Schüler und Schultheß Bd. 2. Abth. 2. S. 316 ff.