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wo sie sich den Titel eines Meisters der freien Künste erwarben^). Auch der Rath begünstigte diesen Trieb nachgelehrtem Wissen bei seinen jungen Mitbürgern, indem er sie zum Behuf ihrer akademischen Reisen mit Sti-pendien unterstützte, oder ihnen Freiplätze auf italienischen Hochschulen verschafftes. Und als nun die Re-formation selbst eintrat, und Zwingli und seine Nachfolger durch Anstellung tüchtiger Männer des In- undAuslandes das Collegium Carolinum zu einer ausgezeichneten Bildungsschule für künftige Gelehrte, und Zü-rich zu einer Pflanzschule und Pflegerin der Wissenschaft zu machen suchten, da entstand ein bisher noch niein solchem Grade vorhanden gewesenes Streben nach Wissenschaft und Gelehrsamkeit bei den Jünglingenunserer Vaterstadt. Man hielt es nunmehr für ein unerläßliches Erfordernis sich dieser zu widmen, wenn mankünftig in Staat und Kirche etwas Tüchtiges zu leisten gedachte; und so gab es durch das ganze XVI. Jahrhun-dert hinab kaum einen bedeutenden Geistlichen oder Staatsmann, der sich nicht durch kürzern oder längernAufenthalt in berühmten Städten des Auslandes, namentlich auf berühmten Hochschulen und Lurch Benutzungihrer mannigfaltigen Hülfsmittel auf seine nachherige Laufbahn vorbereitet hätte. Dasselbe geschah nicht we-niger im XVII. Jahrhundert, und unsere Bibliothek bewahrt noch das Album (Stammbuch) mehr als Einesausgezeichneten und verdienstvollen Mannes jener Zeit, welches von seinem Besuche auswärtiger Akademien undseiner Bekanntschaft mit dortigen in großem Rufe stehenden Gelehrten ein redendes Zeugniß ablegt.
Dieser rühmlichen Sitte folgten denn auch vier hoffnungsvolle, von Liebe zur Wissenschaft entflammtejunge Mitbürger, nämlich die beidenBrüder, Junker Balthasar und Junker Felix Kellers, HerrHein-rich MüllerH und Herr Johann Ulrich Ulrichs. Diese Jünglinge aus angesehenen Familien, innigeFreunde und Altersgenossen, Jahrgänger zum Theil, hatten, nachdem sie ihre Studien auf dem vaterstädtischenGymnasium rühmlich beendigt, zu ihrer fernern gelehrten und anderweitigen Ausbildung gemeinsam die kulti-virtesten Länder Europa's, namentlich Italien, Frankreich und England und deren wissenschaftliche Anstaltenbesucht. Nach ihrer Heimkunft kamen sie eines Abends — es war der sechste Hornung 1629 — ^ bei ihremvormaligen Lehrer, Gönner und Freunde und theilweisen Anverwandten, Herrn Heinrich Ulrichs, Pro-fessor der griechischen Sprache und der Stift, der eben damals Schulherr war, zu einer kleinen Abendmahlzeitzusammen. Hier fiel das Gespräch vornämlich auch auf die Bibliotheken, welche sie im Auslande gesehen hatten,und auf ihren Werth als unentbehrliches Hülfsmittel der Gelehrsamkeit und Kultur jeder Art. Dieß erzeugtein natürlicher Folge den Wunsch, daß ihre Vaterstadt auch etwas Aehnliches besitzen möchte, und dieserWunsch den Gedanken, hier ebenfalls zur Förderung der Wissenschaften und Künste, der Sprachgelehrsamkeit
L) Der gelehrte I. I. Hottinger zählt in seiner »8okoI-> Hgurinorum Lsroling. 4. lig. 1664." S. 23 u, 26 eine bedeutendeReihe von Zürcher » auf, welche vom Jahr 1420 an bis zum Jahr 1323, in immer steigender Anzahl die auswärtigen Hochschulenbesucht haben, worunter nicht wenige auch von» weltlichen Stande, namentlich im XV. Jahrhundert ein Bernhard Blaarer, ReinhardGöldli, Caspar Röust, der als päpstlicher Gardehauptmann im Kriege umkam; im XVI. Jahrhundert ein Niklaus und Johannes En-gelhart, Konrad Grebel, Jakob Meis, Jakob v. Cham, Andreas Wirz und Andere mehr.
3) So findet sich in hiesigem Staatsarchiv (Tr. 83. Fase. 1. Nr. 2) eine Antwort der Regierung von Florenz vom 8. Nov. 1318an den Rath von Zürich, dem sie die nachgesuchte Aufnahme von vier (ungenannten) jungen Zürcher » als Stndirende an die Uni-versität zu Pisa auf's freundlichste zusagt.
4) Johann Balthasar und Felir Keller, Leide die Sohne des Nathsherrn Ulrich Keller; der erstere geboren 1605, starb alsZunftmeister und Oberster Meister im Jahr 1665; der letztere, 1607 geboren, starb schon in seinem dreißigsten Jahre, 1637.
5) Heinrich Müller, geb. 1604, Sohn von Heinrich Müller, Standesseckelmeister. Er ward 1638 Zunftmeister, 1655 StattHalter, 1656 Obmann gemeiner Klöster (eines der ersten Staatsämter) und starb den 7. Nov. 1664.
6) Johann Ulrich Ulrich, geb. 1606, Sohn von Rudolf Ulrich, des Raths, ward 1646 Zunftmeister, 1653 Oberster über1000 Mann Zürchertruppen, welche gegen die rebellischen Bernerbauern ziehen mußten, dann Generallieutenant im Napperschweiler-Kriege, wo er die Stadt und das Schloß Frauenfeld einnahm, und 1657 des Rathes. Er starb 1670.
7) Deßwegen ward auch dieser Tag viele Jahre hindurch als Stiftungstag der Bibliothek gefeiert.
8) Heinrich Ulrich, Sohn von Jakob Ulrich, Professors der Philosophie am obern Gymnasium und der Stift, ward geboren 1575und 1505 ordinirt, dann 1625 Professor der griech. Sprache und der Stift. Er war der Oheim des ebengenannten Joh. Ulrich Ulrich.