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Die Vermehrung der Bibliothek nahm inzwischen, übereinstimmend mit dem Flor der Wissenschaftenin unserm Zürich , durch Geschenke und Anschaffungen ihren regelmäßigen Fortgang, wovon die Berichtedes Sekretairs an die von Zeit zu Zeit versammelte Gesellschaft Rechenschaft gaben. Hier mögen nur einigeder Geschenke erwähnt werden, als 1775, 1788, 1790: Lkonomsntk, vstsris litui-Ki'as rUIsmgimicas;8criptorss äs Nusiek» saera; Historik» diigras 8ilvk»s u. A. von Abt Gerbert; 1782: Pindar , mit derVorrede von Zwingst, durch den Kämmerer Schultheß zu Mönchaltorf ; 1785: Vgllles äs l^kontaiiis,Prachtausgabe mit Kupfern, durch Herrn Postdirektor Heß; das louriml eno^clopöäigus von 1761 — 1788in 112 Bänden, durch eine Gesellschaft von Literaturfreunden; ein Theil der Bibliothek des Decans Meistervon Küßnach, besonders Schriften über das Schicksal der Protestanten in Frankreich , durch seinen Sohn3- H- Meister in Paris ; die Fortsetzung des Nussum Vlorentisum und der Inssriptionss sntiguge inlUusso Oapitolillo , durch Herrn Landolt im Burghof; Pergamenthandschriften der Vulgata, PellicansChronik im Original, eine türkische Handschrift, durch Junker Landvogt Zoller; als Curiosität endlich dieGypsmaske des Königs Heinrich IV. von Frankreich, nebst einigen Briefen mit den Unterschriften diesesFürsten und seiner Mutter Johanna und Schwester Katharina, sowie eine Rolle Papiere, bei derErstürmung der Baftille zusammengerafft, durch Herrn Hetlinger von Winterthur , Director der königlichenPorzellanfabrik in Sevres .
Eine zweite Todtenmaske, welche die Bibliothek 1788 erhielt, veranlaßt uns wieder einenAugenblick bei einem unsrer berühmten Mitbürger zu verweilen, nämlich bei Salomon Geßner ,welcher ebenfalls, als Mitglied des engern Conventes und durch seine ganze Stellung, für dieBibliothek von Bedeutung war. Geßner's Name ist übrigens, schon durch sein Denkmal, auch heute nochwohlbekannt, und die Entwicklung seiner Leistungen als Dichter und Künstler gehört nicht zu unserergegenwärtigen Aufgabe. Seine Gedichte sind, gleichsam zur Buße, daß sie einst nach dem zuerst von Frank-reich aus gegebenen Anstoße übermäßig verherrlicht wurden, bei der heutigen Welt in kaum verdienteVergessenheit gesunken, während eine erneute Betrachtung schon in ihrer unverwelklichen Sprache denStempel des ächten Dichters erkennen müßte; seine Gemälde dagegen haben in den Originalen und denNachbildungen des Kupferstiches, besonders wo er selbst in größer» Blättern oder in lieblichen Vignettensie wiedergegeben hat, seinen Malerruhm festbegründet; und für die Bibliothek wäre er schon als derUrheber der von ihm zugleich gedichteten, mit den Bildern seiner Hand geschmückten, und in den geschmack-vollen Typen seiner Buchdruckerei gedruckten Schriften bemerkenswerth. Sein äußeres Leben (geb. 1730,gest. den 2. März 1788) bietet, nach Dichterweise, wenig Ausgezeichnetes dar. Als Knabe zum pedantischenSchulunterricht seiner Zeit verdorben, und für unfähig gehalten, erwachte er erst als Züngling in ländlichemAufenthalte bei dem Pfarrer Vögelin zu Berg zum freudigen geistigen Leben, betrat dann die väterlicheLaufbahn als Buchhändler und lebte in der Ausbildung zu diesem Berufe und mehr noch im Verkehr mitden berühmten Dichtern jener Tage, zumal Hagedorn und Ramler, einige Zeit in Deutschland . NachHause zurückgekehrt genoß er, durch die liebenswürdigste Bescheidenheit ansprechend und durch Laune undkomisches Talent nicht minder als durch Begeisterung für das Schöne die Zierde geselliger Kreise, denUmgang der besten Köpfe, welche damals Zürich in freudiger Fülle zierten: Steinbrüche!, Näf, Tobler,Schultheß, Vögelin, 2 °) Caspar Hirzel der ältere, der nachmalige Antistes Ulrich u. A., und gab nun
28) Heinrich Näf, geb. 1720, Pfarrer zu Krynau im Toggenbnrg und zu Hombrechtikon , zuletzt zu St. Jakob, gest. I7gt,von unansehnlicher Herkunft und sehr bescheidener Stellung, aber durch Kenntnisse, hellen Verstand und heiteres Gemüth den erstenseiner Mitbürger lieb und vertraut. Vgl. über ihn: Hirzel , Etwas über Aufklärung und Volks-Erleuchtung dieser Zeit, besondersS. 93 —102, in „ Neue Prüfung des Philosophischen Bauers. Zürich i785", und Tobler, im Schweizerischen Museum 1790,S. 852 ff. — Johannes Tobler, geb. 1732, Pfarrer zu Ermatingen , nachher Diacon zum Frauenmünster, seit 1777