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Geschichte der Wasserkirche und der Stadtbibliothek in Zürich / von Salomon Vögelin
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In fortwährender freudiger Zunahme begriffen zeigte nun die Bibliothek während einiger Zahre wenigebedeutende Veränderungen, außer in den Personen, die an der Spitze ihrer Verwaltung standen. Es starbim 3- 1793 der Vorsteher 3kr. Rathsherr Hans Ulrich Blaarer, dessen würdige Stellung zu der Anstaltschon im letzten Hefte S. 91 f. geschildert ist; ihm folgte der bisherige Quästor, Herr Statthalter HansKonrad Lochmann, ein Mann, der weniger glänzend in den Wissenschaften oder als Staatsmannhervortrat als seine nächsten Vorgänger, der aber durch unermüdete Thätigkeit und Pflichttreue, gemein-nützige und gegen Zedermann freundliche Gesinnung und anspruchslose Bescheidenheit bei seinen Zeitgenossengeschätzt und beliebt war.^) Seine vielseitigen Kenntnisse verwendete er gerne zum Dienste der Wissenschaft,auch in der physikalischen Gesellschaft, bei der er ebenfalls das Quästorat bekleidete, wie er bei der Stadt-bibliothek von 1778 bis 1791 gethan. Das Präsidium dieser letzter» führte er von 1794 bis zum September1813, wo er auch von dieser Stelle wegen seines hochangeftiegenen Alters abtrat. Zu gleicher Zeit tratder bisherige Secretair der Gesellschaft, Hr. Dr. Hirzel, sein seit 1778 versehenes Amt an seinen Nach-folger ab. Hans Kaspar Hirzel der jüngere, Archiater und Stifter der Hülfsgesellschaft (geb. 1751,gest. 1817), ist auch den Zetztlebenden noch zu wohl im Andenken, als daß es hier einer Schilderungseines übrigen Lebens bedürfte. ^) Der Stadtbibliothek aber leistete derselbe sehr anerkennenswerthe Dienste.Namentlich bemühte er sich, die vorher zerstreuten und lückenhaften Akten zu ordnen und zu ergänzen,und die frühern Bände derselben wenigstens zu registriren, so daß erst durch ihn eine Ordnung in dieseAkten kam, wie sie auch später nicht mehr erreicht wurde. Ebenso waren seine Leistungen bei der Einrich-tung der obersten Galerie und den übrigen, während seiner Amtszeit sich außergewöhnlich häufendenGeschäften nicht geringe; ein besonderes Verdienst aber hatten die Berichte, welche er viermal (1780, 1783,1785, 1794) bei den damals nicht alljährlich abgehaltenen, dann aber sehr zahlreich und von den erstenMännern des Staates und der Kirche besuchten Generalversammlungen oder s. g. Großen Conventen vor-trug, die Geschichte der verflossenen Zeiträume, die Geschenke und Anschaffungen vorführend, und denverstorbenen Mitgliedern ein ehrendes Andenken aufstellend. So hatte er 1785 die Bürgermeister v. Orellund Landolt, vornämlich aber Bodmern gefeiert, so 1787 den Dr. und Examinator Nahn und den ProfessorRudolf Nahn; besonders reich an solchen Todtenopfern war der Bericht von 1794, aus denen wir nebenGeßner, Usteri und Blaarer nur die Namen des gelehrten und geistreichen Pfarrers Schinz in Altstetten,des liebenswürdigen Landschreibers Hirzel in Weiningen/°) des hochgelehrten Chorherrn Johannes Geßner ,und Füßli's, des Verfassers des Künstlerlerikons, ^) hervorheben; und wie noch jetzt dem Leser, so mußte

37) Geboren im Jahr 1737, und erst der Medicin, dann dem Militair, endlich dem Staatsdienste bestimmt, arbeitete er seit1759 auf diesem Felde, trat im Jahr 1770 in den Großen, 1778 in den Kleinen Rath, und ward 1794 Oberster Meister und Statt-halter des Bürgermeisteramtes. Bei der Staatsumwälzung 1798 in den Privatstand zurückgetreten, ward er 1804 wieder Mitglieddes Großen Rathes, restguirte diese Stelle 1814, und starb im März 1815.

38) Dieselbe findet sich in der bekannten Schrift:Leben Herrn Hans Caspar Hirzels, Archiaters, und Stifters der Hülfs-gcsellschaft in Zürich. Von August Heinrich Wirz . Als Denkmal der Liebe und Verehrung herausgegeben von der ZürcherschenHülfsgesellschaft. 4. 1818."

39) Heinrich Schinz, geb. 1726, gest. 1788, war in persönlichem und brieflichem Unigange mit den bedeutendsten seinerZeitgenossen verbunden, und, obgleich nicht Schriftsteller, bei den Fragen der Wissenschaft und Bildung jener Tage lebhaft betheiltgt.

40) Heinrich Hirzel, geb. 1729, gest. 1790, lebte seit 1766 als Landschreiber zu Weiningen , der Kunst und seiner Familieein Leben, dessen Anmuth und Bedeutung am anschaulichsten aus den Schriften seines Sohnes, des Chorherr» Heinrich Hirzel (Ver-fasser von Eugeuia's Briesen) hervortritt.

41) Johannes Geßner , geb. 1709, gest. 1790, Professor der Mathematik und Physik und Chorherr, Stifter der physikalischenGesellschaft, der Freund Albrecht Hallers, der durch seine naturhistorischen Kenntnisse sich einen beinahe europäischen Ruf erworbenhatte, aber bei seiner hohen Bescheidenheit aus die schriftstellerische Wirksamkeit verzichtete. Siehe über ihn das Neujahrstück der«alnrforschenden Gesellschaft auf 1846.

42) Johann Rudolf Füßli , geb. 1709, gest. 1793, Vater des später zu nennenden Professors oder Rathsherrn undObmann Füßli .