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Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim / von Karl Friedrich Heinrich Marx
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und Wurzel schlug, da schlossen sich die Reihen seiner Gegner fester aneinander, und unbekümmert um die Ehrlichkeit der Waffen dichteten sie demkühnen, nach klarer Erkenntniss ringenden Arzte gerade die Fehler an, gegendie er am meisten selbst sich erklärt hatte, nämlich Aberglauben, Sterndeute-rei und Mystik. Die unsinnigsten Schriften über Gegenstände, an die erselbst wohl kaum je gedacht hatte, wurden als von ihm herstammend be-zeichnet und ohne weitere Kritik, als sein Gepräge tragend, dafür angenom-men, in den Bibliotheken verwahrt, von thörichten Bewunderern angestaunt,von Feinden sowohl als von falschen Freunden zur Herabsetzung seiner wah-ren Verdienste benutzt.

So mischte sich denn allmälig zufällig und absichtlich Bewunderung undVeikennung, Hochschätzung und Verunglimpfung, und mit jedem Jahrzehendwurde es schwerer, das Ursprüngliche von dem Angedichteten zu scheiden.Je mehr aber die herkömmlichen Lehrgrundsätze der Medicin und der Dogma-tik den neueren Bestrebungen wichen, desto mehr stieg aus der Uebergangs-epoche der alten in die neue Zeit der Name des Mannes empor, der gleich-zeitig mit den grossen Reformatoren gelebt und das Seinige zur bessern Ge-staltung des Wissens beigetragen hatte. Er wurde, wofür er früher nichtgegolten, zu einer Auctorität; aber als solche fiel er, in Folge von Verwick-lungen und Missverständnissen, bald denen anheim, von denen sein Stern ihnam weitesten hätte fern halten sollen. Die abgesonderten Secten verlangtenfür ihr Treiben einen Schutzpatron, und so musste denn er dazu dienen.Die eigentlichen Fachgenossen, welche aus Unterordnung unter das längstBestehende, oder aus Achtung für classische Bildung, die jenem abging, denturbulenten Neuerungen abhold waren, sahen es nicht ungern, dass dieser vonihnen abgelöst wurde, dass man in ihm nicht mehr den ärztlichen Forscher,sondern den Schwärmer, Astrologen, Nekromanten, Goldkoch verehrte, unddass er als Häretiker den theologischen Zänkereien und Aburtheilungen an-heim fiel. Alles diess trug jedoch dazu bei, die Ausbreitung des Namens,wenn auch nicht der wahren Bestrebungen Ths zu begünstigen, und dieje-nigen, welche es unternahmen, mit Einführung einiger seiner Grundgedankenund Nachahmung seiner Ausdrucksweise verschiedene Abhandlungen überabenteuerliche Gegenstände, in dunkler und bäurischer Sprache herauszuge-

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