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Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim / von Karl Friedrich Heinrich Marx
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rede bestehen mochte? Nur ein Eingehen in die wesentlichsten Umständeseines Lebens, in die Triebfedern seiner Thätigkeit, in die fördernden oderhindernden Momente seines Zeitalters vermag hierauf eine Antwort zu geben.

Th. wurde nicht alt; er starb 1541 im 48. Lebensjahre; er führte bei-nahe fortwährend ein Wanderleben; die grossen Bewegungen seiner ZeitHessen ihn nicht unberührt; er war eine praktische Natur, die eben so aufneue Entdeckungen ausging, als ihnen Anerkennung zu verschaffen trachtete;seine eigene Unruhe, seine Berühmtheit, Berufungen und Verfolgungen zogenihn bald hierhin, bald dorthin, bald in diese, bald in jene Verhältnisse undKreise, so dass die Stunden der Müsse zur ungestörten Ausarbeitung vonSchriften ihm sicherlich nur sparsam zugemessen waren.

Liess Th. es auch an Fleiss nicht fehlen, verfasste er mehrere für dieOeffentlichkeit bestimmte Schriften, wurde er aber durch irgend einen Grundan der Herausgabe gehindert, so ist zu bedenken, dass ihnen wenigstens dieletzte Feile abging, und dass sie, zumal wenn das Manuscript unleserlich war,mit sinnentstellenden Fehlern abgedruckt werden mussten. Im Laufe der Zeitmehrte sich die Nachfrage nach Handschriften von ihm; sie wurden wohlauch theuer bezahlt, und so konnte nicht ausbleiben, dass im Verhältniss da-mit die Vermehrung derselben progressiv zunahm.

Die blossen Liebhaber von Manuscripten konnten anfänglich um soleichter in den Besitz derselben gelangen, als die Schriften Ths von deneigentlichen Gelehrten gering geachtet, ja, wo möglich, als nicht existirendangesehen wurden. Da er nämlich durch Anstiften vieler Neuerungen, durchDeutschen Vortrag, durch Einführung chemischer Arzneimittel, Eiferung gegendie kanonischen, Griechischen und Arabischen Bücher, Opposition gegen dieMissbräuche der Universitäten, durch seine rücksichtslose derbe Sprache, durchsein unverliolenes, gewaltiges Selbstgefühl, selbst durch ein schwankendes Be-nehmen in seiner religiösen Stellung viele Stimmführer seiner Zeit gegen sichaufgebracht hatte, und dennoch keiner damals herrschenden Partei sich anschloss,so musste er den vollen Hass ertragen, den in jeder aufgeregten Zeit derallein stehende Vorfechter neuer oder eigenthümlicher Principien zu erduldenhat. Als aber die Lehren des verläumdeten und verachteten Mannes dennochAnklang fanden, als der von ihm ausgestreute Samen einen Boden gewann