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zu belachen; diese kümmerten sich nicht um des Menschen Leben llx ). DasWachsthum des Kindes geschehe durch die eingeboi’ne Kraft, das des Pflan-zensamens durch die Beschaffenheit des Bodens; zur Pieife bedürfe es derSonne, aber weiter übten die Planeten, sie möchten nun Beinamen haben,welche sie wollten, keinen Einfluss darauf aus 112 ). Entwickle der Menschböse Anlagen, so hänge diess nicht vom Stande der Gestirne bei seiner Ge-burt, sondern von dessen eingeborner Natur und dem Blute ab lts ). DasGlück, das diesem oder jenem zu Theil wird, dürfe auf keine Weise denSternen zugeschrieben werden, sondern dem Geiste und der Geschicklichkeitdes Individuums 11 4). Denn Alles, was am Firmamente stehe, ändere nichtsam Leibe, nichts an unseren Geberden, Tugenden und Eigenschaften 115 ).
Th. stellte den Zusammenhang der Wesen nicht in Abrede, auch nichtdie Verwandtschaft der Weltgebilde und die Bestimmbarkeit des Menschenvon den kosmischen Potenzen: von Oben, sagt er, falle, wie aus dem Feuer stein und Stahle der Funke auf den Zunder, der erweckende Strahl auf uns 116 );auch schätzt er den Nutzen der meteorologischen Kenntnisse hoch, denn der-jenige, welcher diese richtig zu handhaben vermöge, verstehe sicher auch dieVorgänge der Gesundheit und Krankheit nach ihrem gesetzlichen Verhalten zubeurtheilen 117 ). Allein die beste Nativität bestehe in der Weisheit, welche
111) “Ihr solt euch der meinung entschlahen, das ihr so lang geacht habet, und Ju-dicia gesetzt dem menschen auff die Natur der Sterne: Welches wir wol be-lachen mögen. Darumb der Mars grimmig ist, ist drumb Nero'nicht sein kindgewesen (Paramir. Tr. 1. cap. 2. Th. I. S. 13.).
112) “Das Kind bedarff keines Gestirns noch Planeten: Seine Mutter ist sein Planetund sein Stern (ebend. S. 14.).
113) “Ein Kind, das geboren wird oder empfangen in den besten Planeten und Ster-nen, und in den tugentreiclisten, nach allem wünsch: wenn es in seiner eigen-schafft das Widerspiel hat, und gantz iiberzwerch, wess ist die schuldt? dess,von dem das Blut kompt. Also mercken, dass das Gestirn gar nichts wircket(ebend. S. 16.).
114) Ebend. S. 16.
115) Ebend. S. 13.
116) Grosse Wundarzn. B. 2. Tr. 2. Cap. 19. S. 96.
117) Paragran. alt. Tr. 2. Th. II. 137.