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Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim / von Karl Friedrich Heinrich Marx
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Darum hatte Th. von dieser Seite her die härtesten Angriffe zu erfahren, undvon da aus pflanzten sie sich bis in die späteren Zeiten herab fort.

So war er also dem Streite der Parteien hingegeben, ohne dass er selbstPartei ergriff; so mussten die Worte, die er gesprochen, oder die man nurdurch Hörensagen durch die dritte Hand erfuhr, in einem seiner Absicht meistfremden Sinne sich deuten lassen und er als Urheber von Dogmen gelten, andie er kaum je gedacht hatte.

In seinen Schriften sieht man sich vergebens nach theologisch-verfäng-lichen Untersuchungen um; über seine Stellung zur Kirche und ihren Satzun-gen spricht er nirgend; nur seine religiöse Ueberzeugung als Arzt berührt erzuweilen auf eine einfache, harmlose und würdige Art. Hören wir folgendeStellen von ihm:Der Arzt ist ein Knecht der Natur und Gott ist der Herrder Natur 159 ).Der Arzt ist, der in den leiblichen Krankheiten Gott ver-sieht und verwesst; darum muss er aus Gott haben dasjenige, das er kann 160 ).Der ohne Kunst gesund wird, danke Gott von wegen seines Glücks; dermit der Kunst, danke um die Kunst 161 ).Gott ist der Erst Arzt. Aberdie Ungläubigen, die schreyen zu t dem Menschen um Hülfe. Aber Ihr solltzu Gott schreyen; Er wird euch wohl zuschicken den gesundmacher; es seydann einen Heiligen, oder einen Arzt, oder sich selbst 162 ).

Wer sieht nicht schon hieraus, dass sein Glaube mit dogmatischen Sub-tilitäten nichts gemein hatte, dass er eine reine Angelegenheit seines Innernwar, wodurch er die Resultate und Lehren seiner Kunst an das Höchste an-zuknüpfen sich gedrungen fühlte.

men Feuertod brachte (ad Calvin, inter Calvini epist. Genev. 1575. fol. p, 148,):Tibi Ecclesia et nunc et ad posteros gratitudinem debet et debebit.

159) Paramir. Tr. 4. Cap. 7. Th. I. 61.

160) Erste Defension. Th. II. 163.

161) Vorrede in das dritte B. der grossen Wundarzn. S. 128.

162) Paramir. De Ente Dei. Tr. 4. Cap. 5. Th. I. 60.