Buch 
Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim / von Karl Friedrich Heinrich Marx
Entstehung
Seite
48
JPEG-Download
 

48

oder wie wenig ihm dieses gelang, wie weit eigene Beschränktheit oder äus-sere Hindernisse ihn beengten, oder die Ungunst späterer Jahrhunderte ihmden Dank verkümmerte, das komme jetzt nicht in Frage; aber der Satz steheausser allem Streite, dass er es war, und auch wohl der einzige war, dervor drei Jahrhunderten die Deutsche Medicin vom Alterthume, vom Her-kommen, vom Auslande zu emancipiren sich zur Aufgabe seines Lebens ge-setzt hatte.

Italien blieb lange das Land, wohin man sich wandte, um humanistischeund Fachstudien zu treiben; auch Paris zog als Hochschule die Lernbegieri-gen an. Die Deutschen Universitäten, welche (seit 12371502) nach demMuster der Spanischen , Italienischen und Französischen errichtet wurden, tru-gen zwar, nach besten Kräften, das Ihrige zur Verbreitung gelehrterer Kennt-nisse bei, und gelangten allmälig dahin, mit den durch die Umstände begün-stigten Anstalten im Auslande zu wetteifern. Vorzüglich längs des Rhein-stromes hatten«-.sich mehrere Pflanzschulen für die höhere Bildung erhoben,und die daselbst ins Leben gerufene Buchdruckerkunst hatte eine früher nichtgekannte literarische Thätigkeit in sie gebracht; aber kaum zeigte sich -irgend-' wo eine so rege geistige Bewegung als in Basel .

Die Schweiz war «damals noch in der Gesammtheit Deutschlands mit in-begriffen und ihr nördlicher Theil hielt mit dem südlichen Deutschland , wasnationeile und religiöse Entwickelung betrifft, ziemlich gleichen Schritt. Erstspäterhin trat die politische Trennung vom deutschen Reiche ein, welche imWestphälischen Frieden (1648) feierlich ausgesprochen und anerkannt wurde 163 ).

In Basel waren früher )nur religiöse Uebungen im Gange und von denWissenschaften nur Grammatik und Dialektik in Aufnahme; von clasSischenund allgemeinen Studien wusste man kaum Etwas 164 ). Dieses- änderte sich

- -'-h: - ... 11 i

163) L. F. Jan Staatsrechtliches Verhältniss der Schweiz zu dem Deutschen Reiche,Th. 2. JMürnb. 1802. f. 269. S. 122.

J . i): .i ,

164) Aeneas Sylvius , nachher Pabst Pius II. , schrieb während seines Aufenthalts

auf dem ConcilioUrbis Basileae descriptio an Julianus . (Angehängt bei Chr;Urstigii'Epitome Historiae Basileensis. Basil. 1577. 8. Auch in den Script, re-rum Basil. minor. Vol. I. Bas. 1752. 8. p. 373.) Hier sagt er: ,! Simulachra san-ctorum plurima colunt, scienlias non alfectant etc. n-