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ben”; und eben so, bei Gelegenheit, wo er von der gewöhnlichen Art desReceptschreibens spricht 226 ), “wie ichs auch in meiner Kindheit, Jugend, alsUnerfarner, wie andere Unerfarne, gebraucht habe”.
Da er nun so bei Zeiten in die Kunst hinein gerathen, so konnte erschon in seiner Einladung zu den Vorlesungen in Basel , also in seinem 34stenLebensjahre, ankündigen: er wolle lehren, was er nach langer Anwendungund Erfahrung für recht erfunden 227 ).
Je früher er sich aber mit der Erlernung und Ausübung der Arznei-kunde beschäftigte, um so eher erwachte in ihm das Gefühl ihrer Unzuläng-lichkeit und der Zweifel an der innern Wahrheit alles dessen, was er alsLehre und Satzung anzunehmen sich genöthigt sah. Er ward an der Kunst,an sich, an Andern irre. Ob eine bestimmte Einwirkung von Aussen undwelche hierbei stattgefunden, darüber lässt sich keine Auskunft erlangen; aberden damaligen Zustand seines Gemüths schildert sein Geständniss 228) : “Habmehrmalen mir fiirgenommen, diese Kunst zu verlassen. Hab oft von ihr ge-lassen und mit Unwillen an ihr gehandelt; doch aber mir selber hierin ganzeFolge, nicht geben, sondern es meiner Einfalt zugemessen”.
Da er es ehrlich mit sich und der Sache meinte, so wurden ihm auchseine Erwerbnisse nicht leicht. In seiner Dedication der grossen Wundarzneian den Stellvertreter des Kaisers, den König Ferdinand, führt er an, dassdas, was er mittheile, probirt worden sey “schärfer dann das Silber, in Ar-muth, Aengsten, Kriegen und Nöthen”.
Das Verlangen, vielseitige Kenntnisse einzusammeln, trieb ihn schon frühaus den engen Gränzen seines Geburtslandes. Von seinen Reisen, seinemAufenthalte in den verschiedenen Ländern Europa’s , ja Asiens , gingen dieabenteuerlichsten Gerüchte um 229 ). Die einfachste Annahme, dass er Land
226) Vorrede in den dritten Tractat des andern Buchs der gr. Wundarzn. S. 117.
227) longo rerum nsu atque experientia Th. VII. gleich vorn.
228) Vorrede zur grossen Wundarznei.
229) Nach Bickerus in Herinete redivivo habe er 10 Jahre in Arabien und in denangränzenden Ländern zugebracht.
Er erwähnt, dass er in Stockholm gewesen (Grosse Wundarzn. B. 1. Tr. 2.Cap. 2. S. 22. — M. vgl.: Borricliius gegen Conring Herniet. p. 422. —