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Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim / von Karl Friedrich Heinrich Marx
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dem verständlich, noch viel weniger annehmbar. Er aber ging darob unbe-kümmert seine Bahn, und nur gelegentlich äusserte er sich rechtfertigend übersein Schreiben und sein Handeln.

Hier dürfte nun der Ort seyn, der Ausstellungen zu erwähnen, die manan seinem persönlichen Charakter machte, und welche durch die geschäftigeHand der Fama und durch Leichtgläubigkeit gehörig vergrössert und ausge-malt das Andenken seines Namens bis in die spätesten Zeiten verunziert ha-ben. Zwar gehört der Mann nur durch das, was er wollte und leistete, derGeschichte an; die Abzeichen und Auswüchse menschlicher Schwächen zer-fallen mit der sterblichen Hülle zu Staub und verdienen nicht zur Kunde fer-ner Jahrhunderte gebracht zu werden. Auch bin ich weit entfernt, das, wastadelnswerth in Ths Lebens- und Gemüthsart war, beschönigen zu wollen;ich schreibe keine Apologie desselben. Zudem, hätten auch alle jene Nach-reden einen guten Grund, so besitzt er doch Ausgezeichnetes genug, um alseine bedeutende Erscheinung, als ein Vorkämpfer und Repräsentant grossarti-ger Bestrebungen seiner Zeit zu gelten. Aber ein näheres Eingehen in dieHauptanklagen möchte dazu beitragen, ihnen das Auffallende und Herabwür-digende zu benehmen, und über manche ihrer Gründe historischen und psy-chologischen Aufschluss zu ertheilen.

Man warf ihm Stolz, Hoffarth, Unverträglichkeit vor; vielleicht nicht mitUnrecht. Es war der Wiederschein seiner ungebändigten Kraft, seines Selbst-gefühls, wodurch alle die, so er nicht mochte, oder die ihn nicht mochten,schwer getroffen wurden.

Als sein Wahlspruch galt 325 ):Eines Andern Knecht soll Niemandseyn, der für sich bleiben kann allein. Auch mögen seine äusseren Formenüberhaupt weder die feinsten und mildesten, noch durch Erziehung und Um-gang abgeschliffen gewesen seyn. Er wusste das, ja bekannte es selbst, nichtohne ein gewisses Wohlgefallen 326 ). Was Andere an ihm für eine grosseUntugend hielten, das schätzte er für eine grosse Tugend und wollte nicht,

325) Fast auf allen seinen Bildnissen steht das Motto: alterius non sit, qui suus essepotest.

326) Die sechste Defension. Th. II. 182.