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Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim / von Karl Friedrich Heinrich Marx
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ward, ist der, wenn er sich in seinem Fache einen Alleinherrscher nennt.Ich werd Monarcha , und mein wird die Monarchey sein, und ich fiire dieMonarchey und gürte euch ewere Lenden 336 ). Da jedoch solche Redweisendamals häufig, namentlich in der Alchemie 337 ), im bildlichen 338) Sinne ge-braucht wurden, so darf man ihm daraus keinen Vorwurf machen.

Ausserdem ist nicht zu vergessen, dass nicht Alles, was Th. sagte, alsbaare Münze und in vollem Ernste zu nehmen sey. Er liebte und übte Scherz,Witz und Ironie. Dahin sind seine Wortspiele 339 ) und manche der überihn aufbewahrten Anekdoten zu rechnen. Er Hess einmal die Aeusserung fal-len: das Temperament eines Menschen könne man am Sichersten aus demNiederschlage im Harne dann erkennen, wenn Jemand drei Tage lang gefastet.Sein gläubiger Famulus unterwarf sich dieser Pein , brachte sein bischen Auf-bewahrtes in einer Schale seinem Meister , um dessen Ausspruch zu verneh-men. Der aber warf sie lachend an die Wand 3<t, °). Dahin gehört auchder Schwank, den er in Wien mit den Kaiserlichen Leibärzten soll gehabthaben, als sie zum Andenken eines seiner guten Medicainente sich ausbaten 341);so wie ein anderer mit dem Stadtarzt in Landsberg 342 ). Auch ist die be-rüchtigte Anweisung, auf eine neue Weise einen Menschen zu produciren, un-verkennbar ein Scherz, mit dem er den Adepten, an den sie (so wie die De-dication des Buchs) gerichtet ist 343 ), zum Besten hatte. Am Ende dersel-

336) Vorrede über das Buch Paragr. Th. II. 10.

337) Wie rex physicus, societatfs physicae. M. vgl. Seniler Hist, der Rosenkreuzer . St. 1. S. 36.

338) Th. spricht von der monarchia mundi, die der Arzt im Menschen finden soll:

Labyrinth, med. cap. 4. Th. II. 208. ,

339) So bespöttelt er z. B. die Alchemisten: Es müsste eine Lust seyn in den Him-mel zu kommen, darinn aurum potabile, potius aurum mortabile; aqua vitae,potius aqua mersionis etc. Die neunte Impostur. Chir. Sehr. S. 157.

340) Vita Oporiiii.

341) J. R. Glaub er de lapide animali. 1669. 8. p. 21.

342) Erastus P. III. p. 212. Conring p. 390.

343) an Johann Winckelsteiner. De natura Rerum Th. VII. 255.