81
man, dass es ein solches gewesen? Als von Adel stammend, viel zu Fussund zu Pferd reisend, hat er sich vielleicht oft mit dieser Waffe, nach derSitte der Zeit, geziert, wie Melanchthon in Tübingen mit einem Spiesse aus-zugehen pflegte 358 ).
Der Vorwurf, als sey Th. ein schlechter Haushälter gewesen, sey ver-schwenderisch und leichtsinnig mit dem Gelde umgegangen und dadurch nichtselten in Verlegenheit und Noth gerathen 359 ), möchte auf manchen anderngenialen Kopf auch passen. Er selbst gibt an, man habe ihm “das Seinedieblich entzogen” 36 °). Andere glauben, er habe sich nur arm gestellt, um denVerdacht der Goldmacherkunst von sich zu entfernen 361 ).
Die wahre Ursache, wesshalb er, trotz seiner ausgebreiteten Praxis^ keineReichthümer sammelte, dürfte jedoch ganz wo anders gesucht werden. Erwar ein Arzt, der seine Kunst nicht als ein Gewerbe ansah; dem es schwerward, seine Dienste sich bezahlen zu lassen. Die ihm dargebotene Belohnungwies er häufig zurück und forderte die Kranken auf, sich und die Ihrigendamit zu pflegen 362 ). Er sagt einmal 363 ): Wenn er auch sein Geld ver-bummelt habe, so hätte er doch sein Hauptgut nicht eingebüsst. Die Medi-cin sey eine Speculation geworden 364); s J e würde des Gewinnstes wegen er-lernt 363 ). Die Aerzte suchten den Pfennig, nicht die Kunst 366 ). Ihr Herzsey weit von der Zunge 667 ); der Seckel sey ihr Herz 368 ). Mit Ernst ruft
358) He yd Melanchthon und Tübingen . T. 1839. 8. S. 78.
359) Oporin in seinem Briefe: ut ne obulum quidem ei superesse scirem.
360) Kl. Chir. B. 1. Cap. 7. S. 255.
361) Borricliius p. 427.: ut suspicionem yQvaonolas a se amoliretur.
362) So der Augenzeuge Frantz bei Mich. Neander, Orbis Terrae Part. succ. explic.Lips. 1589. p. 61.
363) Spittal Buch. Gruss allen Ärzten. S. 311. Vgl. 312.
364) Paragr. alt. Tr. 1. Th. I. 108.
365) Kl. Chir. B. 2. B. 10. Cap. 1. S. 302.
366) Paramir. L. 1. de orig. m. cap. 8. Th. I. S. 105. und S. 225.
367) Paramir. L. IV. De or. m. matr. Th. I. 237.
368) Von den tart. Kkht. Cap. 20. Th. II. 332. — M. vergl. Grosse Wund. Vorredein das dritte B. S. 129.
11