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Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim / von Karl Friedrich Heinrich Marx
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Schüler entstanden waren 388 ), und sieht zuletzt mit Missmuth und Bitterkeitauf die Früchte zurück, welche ihm aus seiner Lehrerschaft erwachsen sind.Je mehr einer den andern underricht, je mehr dieser jhn nachfolgends schen-det. Wenn ich mir gedenke, dass mich die Lecker, die ich erzogen und er-nehret hab darinn, gespeist und getrenkt,. vorgearbeitet und in sie gegossen,wie den Wein ins Fass, und; das so ich mit schweren Sorgen erfaren hab,angezeigt, wider mich zu schelten und zu sehenden angericht, die von mir,als von jhrem Professori, kein sehenden nie gelernt hatten 389 ).

Zu diesem Zerwürfniss zwischen Meister und Gesellen, zwischen Lehrerund Schüler mag Vieles beigetragen haben. Zuerst und vornehmlich sein leb-haftes, ja heftiges Temperament. Bemerkt er ja selbst 39 °):Es ist ein klagab mir, von meinen verlassenen Knechten etlichs theils, und Discipulis auchetlichs theils, dass ihrer keiner meiner wunderlicher weiss halben körm beimir bleiben. Sodann die Grösse und Strenge seiner Anforderungen. Erverlangte, man solle nach einem inneren Gute trachten,. während es Jenen,dem Brauche der Zeit gemäss, nur um recht viele Wunder- und Geheim-Mittel zu thun war. Dazu kam sein unstätes Leben, sein vieles Reisen, seinfrüher Tod. Gewiss ist, dass mit seinem Hinscheiden seine Monarchey, wieer sie nannte, zerfiel; Keiner erstand durch ihn, nach ihm, der in; seinemGeiste ihm nacheiferte, der das Gebäude, wozu er den Grund gelegt, denBiss entworfen, die Steine zusammengebracht hatte, weiter ausführte. Dennvon jenen nachherigen Anhängern und Nachbetern, die sich nur an die lee-ren, hohlen Worlformeln, an die Spreu seiner Schriften hielten, kann hiernicht die Piede seyn.

So erscheint denn Th. als ein Meteor, das mit augenblicklichem Glanzeam Horizonte seiner Zeit dahin fuhr und spurlos verschwand. Späteren Ge-schlechtern aber war es Vorbehalten zu erkennen, dass es kein wegflammen-des Irrfeuer war, sondern ein Gestirn, das Licht und Wärme, so wie alleKeime einer gesetzmässigen Bewegung und Entwicklung in sich trug.

388) Ebend. S. 303. M. vgl. Vorrede der Bücher Bertheoneä. S. 335;

389) Kl. Chir. B. 10. Cap. 1. S. 302. M. vgl.: Die zwölft Impostur. Chir. Werke.

S. 159. und von Corrigirung der Imposturen. Cap. 22. S. 174.

390) Die Sechste Defension. Th. II. 184.