Thurneisserö Kalender. ny
Alle diese beigebrachte Nachrichten geben zu erkennen, daß Thurneisserseine Drukkerei seit 1574 sehrgut genuzt, weil es ihr niemals an Beschäftigungfehlte. Wenn seine Werke fertig waren: so warteten alsdann fremde Arbeiten aufihn, die der Churfürst auf seine Kosten drukken ließ; und weil er ihm sehr gnädigwar, sie reichlich bezalte.
§. VH.
Thurneiffers Einkünfte aus seinen Kalendern undBüchern; chymischen Prozessen; Handschriften;Laboranten; Harnproben; Arzneien.
^^ie Drukkerei war Thurneisser« wegen des Verlags seiner eigenen Schriften,mit denen er ein großes Verkehr trieb, besonders vorteilhaft. Vorzüglich brachtenihm die Kalender sehr große Einkünfte. Ohnerachtet er jedes Jahr eine sehr großeAuflage machte: so reichte sie doch nicht zu, alle Liebhaber zu versorgen. Sie gin-gen in der Mark, im Reich, in Preussen und Schlesien häufig ab; und sobald siefertig waren: liessen sie die Buchhändler und vornehme Herrschaften mit eigenenBoren ") abholen; und wenn in der Drukkerei sehr viel zu thun war, daß er keinezweite Auflage machen konte; so erlaubte er auswärtigen Drukkern und Verlegern,sie nachzudrukken; wofür sie gemeiniglich dreißig bis fünf und dreißig Taler undzweihundert Exemplare auf gutem Papier an ihn abliefern mußten. Es sindSchreiben von den vornehmsten Buchhändlern zu Frankfurt am Main, Nürnberg,Wien, Prag und Jngolstadt vorhanden: worin sie sich erbieten, seine Kalenderoder Prognostika in Verlag zu nehmen; er möchte nur fordern, was er habenwolle. Jn Strasburg, Leipzig und in andern deutschen Städten, wie auch in Prag,
wurden
') Das Botenlolm war wolfeil. Es findet sich eine Berechnung von, Jahr IZ 74 ' vonBerlin »ach Schwerin undGnstrau: bis Schwerin wurden 24 Meilen, und von dabis Güstrau 8 Meücn gerechnet, das Botenlohn machte einen Taler 16 Groschen, dasWartegeld für zehn Tage zwanzig Groschen; daß also die Meile Botenlohn mit einemGroschen und drei Pfenningen bezalt wurde.