rr8 Thurneissers Harnproben.
vnd teure Arzneien, alle Höften, ihre Laboranten würden ihm vieles ablernen, unddadurch das angewendete Lehrgeld reichlich wieder einbringen.
Die größte Einnahme Hatte Thurneisser von den Harnproben. Hätten nichtgnädige und gestrenge Herren aus der löblichen Eidgenossenschaft, wie auch Mar,quis, Duchessen, Lords, Ladys u. s. w. den Michael Schuppach besucht; hättenicht ein Monddoktor und andere dergleichen Leute ihre Verehrer und Partisansunter uns gefunden: so wäre es fast nicht zu begreifen, daß man damals so blöd-sichtig seyn können, um nicht das Unrichtige dieser Proben einzusehen. Die gale-nksche Aerzte schrien dagegen: man hielt es für Handwerksneid. Die Parazelsistengaben ihm Beifal: und einige machten es nach, da sie sahen, daß es so reichlichGeld einbrachte. Thurneisser überzeugte sich selbst, oder machte es den Leutenweiß: daß er durch die Destillazion des Harns, so wie S./i./r. beschrieben worden,die Beschaffenheit und Gebrechlichkeit eines jeden einzelnen Teils des menschlichenKörpers deutlich entdekken könte; und daß ein jeder Mensch dadurch von dem innernZustande seines Körpers und aller Teile, und jedes seiner Eingeweide insbesondere,die sicherste Nachricht erhielte. Die Berichte, die er darüber gab, waren so kamderivelsch abgefaßt, und mit so vielen andern Dingen vermischt, daß kein Menschdaraus klug werden konte; wovon die gedrukte Proben vorhanden sind. Niemanddurste das Prophetenwasser schlkken, ohne zehn Taler beizulegen: und der Botemußte außerdem mit Gelde versehen werden, um die Arzneien zu bezalen; doch hatteneinige, wenn nur die zehn Taler beilagen, auf eine Zeitlang Kredit. Dafür erhiel-ten sie einen schriftlichen Bericht und einige Arzneien. Die minder Reichen kamenselten unter 4 bis ; Taler Arzneien weg. Die reichern und höhern Personenwurden nach Standetgebür mit Goldtropftn, Perlentmkrur, Amekhystenwasserund andern köstlichen Arzneien reichlich versehen: und das Laus Deo, so nachkam,bestes sich zuweilen auf ;o bis So Taler. Viele erkauten die gehabte Bemühungnoch besonders. Thurneisser Hatte durch diese Erfindung sich in ganz außerordent-lichen Ruf gcsezt. Das Prophetenwasser wurde ihm täglich, nicht ällem aus derMark, sondern auch aus Hamburg, Bremen, Harburg, Lübek, Strasburg, Basel,Kassel, Augsburg, München, Wien, und aus dem ganzen römischen Reiche,, vor«nemlich aber aus Böhmen, Mähren, Schlesien, Polen und Preussen mit eigenen
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