Thurneissers Bibliothek. 141
der königlichen als Akademiebibliothek vorhanden, in welchen sein und seiner FrauenWapen und Namen, in Holz geschnitten mit der Jahrzal i;88, eingeleimet ist. Diewitzigen Verächter unsererVorfaren werden vkeleicht diese Bibliotheken sehr herab-wirdigen, und nicht mit ihren Bücherbrettern in Vergleichung setzen wollen: alleinman kan deren Eifer, ihre Kantnisse zu vermehren, daraus bemerken, daß sie keineKosten scheusten, ansehnliche Büchersamlungen anzuschaffen, ohnerachtet das baareGeld zu der Zeit selten war. Die Preise, um welche sie nach dem Tode ihrerBesitzer verkauft wurden, geben ihre Schäzbarkeit zu erkennen. Die von demberühmten Kanzler Lampert Distelmeker gesamlete Bibliothek erbte sein SohnChristian: nach dessen Tode erkaufte sie der Rath zu Halle') für 4200 meisnischeGulden, und ließ sie aufder berühmten Markenbibliothek aufstellen. Der KanzlerPeter Fritze samlete seine Bibliothek zu Ausgang des sechzehnten Jahrhunderts.Die Witwe hielt sie für ein Heiligtum, und wolte sie als ein Andenken ihres Man-nes nicht von sich lassen; ob ihr gleich Churfürst Friderkch Wilhelm fünf tausendTaler dafür bieten ließ: sie wurde nach deren Tode unter die Erben zerstreuet.
Ausser diesen berlinischen Bibliotheken waren die Samlungen des berühmtenSabknus, Pelargus, Prätorkus und vieler andern zu Frankfurt, sehr ansehnlich.Der gelehrte Joachim von Alvensleben stiftete 1568 die bekante Bibliothek zu Er-leben, die, wie Leuthinger sagt, über 5000 Kronen gekoster hatte. Thurneisserfolgte diesen Beispielen. Er fühlte, daß es ihm in seiner Wissenschaft an einergewissen Gründlichkeit fehlte: er glaubte, durch fleißiges Lesen und einen ansehn-lichen Büchervorrath diesen Mangel zu ersetzen; noch mehr aber dadurch das Anseheneines großen Gelehrten zu erhalten. Er nahm auf den Messen, nicht allein gegen,seine Werke und Kalender neu Heraus gekommene Schriften an: sondern es findetsich auch, daß er zuweilen wegen ansehnlicher auswärtigen Bibliotheken in Handelgestanden. D. Heinrich Wolf zu Nürnberg, ein Bruder des berühmten Hierony-mus Wolf zu Augsburg, Hatte einen ansehnlichen Schaz von Büchern Hinterlassen,um welchen Thurneisser durch den Buchhändler Lochner handelte. Eben dieser
S z Lochner
') v. Dreihaupt. ».Teil. S.218.
') dvlriimem. cie ^larcb. Lrsnä. eäit. Xisutii. p. Z/9'