Vorrede. XXIX
Ueberhaupt haben die Miniſters und Staatsleute ge-meiniglich eine gar ſchlechte Meynung von den Gelehrten.Sie ſehen ſie vor Leute an, die zu nichts brauchbar ſind,als daß ſie den Flor der Wiſſenſchaften erhalten, welchenſie zu der guten Vernunft der Zeiten für noͤthig finden;und je groͤßer und beruhmter ein Gelehrter iſt, deſto we-niger glauben ſie, daß ſie ſich ſeiner zum wahren Nutzenund Dienſte des Staats gebrauchen können. Daherkömmt der Vorwurf der Pedanterey, mit welchem diemeiſten Staatsleute alle Gelehrten in ihren Herzen bele-gen; und die Gelehrten irren ſich, wenn ſie glauben, daßdieſer Vorwurf nur dieſem und jenem Gelehrten, der eineabgeſchmackte Auffuͤhrung und wunderliche Einbildungvon ſich ſeibſt hat, beygeleget wird. Ich ſchreibe hiernichts, als worzu ich in der Naͤhe bey verſchiedenen Vor-faͤllen Anmerkungen zu machen gegruͤndete Urſache be-kommen habe. Woher entſteht aber dieſes Vorurtheilder Staatsleute gegen die Gelehrten! Daher, weil ſieſehen, daß wir uns am meiſten auf ſolche Wiſſenſchaftenlegen, die in den buͤrgerlichen Verfaſſungen und den Ge-ſchaͤfften des Staats am wenigſten brauchbar ſind. Nuniſt es zwar gar nicht zu laͤugnen, daß ein Gelehrter, deroͤfters viel ſchwerere Wiſſenſchaften erlernethat, ſich ebenſo gut, als ein Ungelehrter, in die Geſchaͤffte des Staatsſchicken und die darzu noͤthige Erkenntniß nach und nacherlangen wuͤrde, wenn man es mit ihm verſuchen wollte.Allein dieſem ſteht im Wege, daß ein Gelehrter, der ſeineWiſſenſchaften gründlich erlernet hat, nicht ſo von derFlinte an dienet, wie ein Ungelehrter; und daß er, daihm ſeine erlerneten Wiſſenſchaften ſauer angekommenſind, eine gewiſſe Ehrliebe, oder vielleicht auch, wenn manwill, Ehrgeiz hat, der ihn nicht ſo geſchmeidig macht, alsdie Ungelehrten. Wentgſtens koͤnnten wir den Vorwurfder Unbrauchbarkeit gaͤnzlich aus dem Wege raͤumen,wenn wir uns auf ſolche Wiſſenſchaften legten, die zu denmeiſten Geſchaͤfften des Staats erfordert werden; undda es in der That unſere Schuldigkeit iſt, dem gemeinen
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