Ueber den spanischen Thrvnfolgekriegi 6l
derselben ausnehmende Proben von Erfahrenheit undGeschickiichkeit abgelegt hatte, erweckten den verbunde-nen Mächten sorgsame Gedanken, daß die FortftHungdes Kriegs Frankreich nochmals günstig ausschlagenwürde. Die sich mehrenden Schwachheiten LudwigsXIV., der dem siebenzigsten seiner Jahre nahe war,und dessen sich je mehr und mehr äußernder Hang zuabergläubiger Frömmigkeit; das beynahe grenzen ojeVertrauen, welches derselbe auf die Einsichten semecvertrautesten Freundinn, der Frau von Maintenon,sehte, mit der er immer auch über die allerwichktgsrenStaatSgeschäfte nicht nur zu Rath gieng, sondern sichso gar von ihr leiten ließ, daß auch die vornehmstenKabinetSrathe sich diesen mächtigen Einfluß de^ Frauvon Maintenon gefallen lassen mußten; die einheimischenEmpörungen der sogenannten Aamistrrds in den Se-venmschen Gebirgen: — Dies alles mehreke die Er-wartung, der Punkt sey nahe, daß Frankreich sich vonseinen Feinden die allerhärtesten Gesetze müsse vorschrei-ben lassen. Die Vorsehung legte auch wirklich Diesenso wichtigen Zeitpunkt in die Gewalt der wider Frank-reich verbündeten Mächte; sie wußten aber denselbennicht zu ihrem wahren Vortheil, nicht zur Demüthi-gung Frankreichs klüglich zu gebrauchen.
Obgleich die Fortsetzung dieses Volk und Geld erfo-dernden Kriegs den vereinigten Mächten, oder eigentli-cher England und den vereinigten Niederlanden, schwersiel, so strengten sie doch alles daran, um die drückendeLast nicht zu fühlen. Oestere Siege und glücklich aus-geführte Entwürfe verblendeten sie selbst und ihre Un-gehörige, den Nachtheil einzusehen, daß sie sich für dieVergrößerung einer andern Macht schwächten. Solang England und die Niederlande an Geld und Kre-dit keinen Mangel hatten, so lang fanden sie Ueberflußan allen Kriegsbedürfnissen; und eben so lang konntensie bey den Fürsten Deutschlands Menschen finden, wel-