Buch 
Memorabilia Tigurina : neue Chronik oder fortgesetzte Merkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / Johannes Heinrich Erni
Entstehung
Seite
283
JPEG-Download
 

2 8Z

tritt zu dem Bürgerrechte, je weniger es noch mit Vortheilen odermit höherer Freyheit verknüpft war. Alljährlich bezahlten die Stadt-bürger eine Reichssteuer von ioo Goldgulden. Sie unterstützten dieöffentlichen Gebäude und andere Anstalten durch Beyträge und Frohn-dienste. Zürich war gegen das Ende des eilften Jahrhunderts schonso wichtig, daß das fürstliche Haus Zaringen sich bey dem Kaiser umdie Kastvogtey über die Stadt und beyde Stifter bewarb, und auchsolche erblich erhielt. Conrad von Zäringen weigerte sich dem KaiserConrad III. zu huldigen. Friedrich von Hohen-Stauffen, der nach-her selbst zum Kaiser erwählt worden, belagerte den Herzog in derStadt Zürich , lind eroberte sie auch im I. 1133 mit stürmender Hand.Durch das Absterben Berchtolds V. von Zahringcn im I. 121g, indessen Person dieses Fürstenhaus erlosch, erhielt die Stadt Gelegenheitsich höher zu schwingen, und wurde in diesem Jahr zur freyen Reichs-stadt erklärt. In den unruhigen Zeiten der Regierung Kaiser Fried-richs II. hatte sie mancherley auszustehen. Sie war dem Kaiser ge-treu, der den Päbsten verhaßt war, und wurde aus dieser Ursache vonden Letzter» mit dem Banne belegt, welches für ihren Handel und Gerwerd sehr nachthcilig war, indem die päbstliche Parthey den damalswichtigen Seidenhandel von Zürich nach Como verpflanzte. Der Kai-ser belohnte aber die Treue durch wichtige Freyheiten. Aber noch gün-stiger war für sie das Zwischenreich vom I. 1250 bis 1273. Wahrenddieser Zeit der allgemeinen Verwirrung des Reichs schloß die Stadt,zur Sicherstellung des Handels, ihr erstes Bundniß im I. 1251 mitden drey Waldstätten Ury, Schwyh und Unterwaldcn. Auch zog derStadtrath das Münzrecht von der Abtey als Lehen an sich, und ausdem Lehen wurde wirklicher Ankauf. Durch Verschwendung wurdendie Abtey und hie und da der benachbarte Adel verschuldet; durch FleißUnd Haushalt hingegen bereicherte sich die Stadt. Theils durch An-leihen und Kauf, theils durch Krieg erweiterte sich ihre Gerichtsbar-keit. Unter Anführung Graf Rudolfs von Ha'bsburg (des nachmali-gen Kaisers) den sie zu ihren, Hauptmann gewählt hatte, zog sie sichim I. 1263 lnit reicher Ausbeute aus der Befthdung ihres mächtigenNachbarn, des Freyherr,, von Regcnsperg, dessen Burgen Wurp, Bal-dern, Uetliberg, Glanzenberg u. a. erobert und zerstört wurden. Schonum diese Zeit errichteten die Handwerker und Künstler unter sich In-nungen und Zünfte, jedoch für einmal noch unter dem Schutze irgendeines geistlichen oder weltlichen Herren ; allein sie wurden als unver-träglich mit der Reichsverfassung bald wieder verboten. Im I. 1336Ahnten sich die Bürger gegen die bisher bestandene, eines schlechten