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Memorabilia Tigurina : neue Chronik oder fortgesetzte Merkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / Johannes Heinrich Erni
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Myconius (Geishauser) einen Ruf als Leutpriester an die Großmüu-sterkirche nach Zürich. Von seinen Freunden in Einsiedeln »«gerne ent-lassen langte er gegen das Ende des Decembers daselbst an. Mit demAntritte seines Amtes erklärte er'dem Capitel und seinen Zuhörern,daß er, zu besserer Bekanntschaft mit dem neuen Testamente, von derüblichen Ordnung mit den Sonntagsevangelien abweichen und mit Er-klärung des Evangeliums Makthäi anfangen würde, und bekämpfte so-fort mit feuriger Beredsamkeit den Aberglauben, die Sittenlosigkcitund die bürgerlichen Gebrechen. Als eine Hauptquelle des Unheils sei-nes Vaterlandes sah er die Jahrgelder oder Pensionen an, welche an-gesehene Eidsgeuossen von Rom oder von Frankreich bezogen, und sichdamit verpflichteten das Interesse dieser auswärtigen Höfe im Vater-lande wahrzunehmen, Truppen zu werben, Blut und Leben ihrer Mit-bürger zu verhandeln, und den Partheygeist zu ihren Zwecken zu benu-tzen, wodurch die Sittenreinheit, Gemeingeist und Vaterlandsliebe ver-loren giengen. Mit solchen Predigten, mit dem was Noth war, fiengZwingli seine Reformation an. Aber noch war inzwischen ein Umstandhinzugekommen, der nicht wenig zu Beförderung der großen Verwand-lung beytrug. Ein Franziskanermönch Bernhard Samson, wariZiZ über den Gotkhard gekommen, hatte in Ury, Schwytz und Un-terwalden, in Luzern und Bern mit Ablaßkrämerey gu'e Geschäfte ge-macht und die unverschämteste Geldgier verrathen; und als ihn derPfarrer zu Bremgarten, Heinrich Bullinger , nicht in den Ort lassenwollte, sogleich einen Bannspruch gethan. Im I. 1519 rückte dieserauch in Zürich ein, wo eben Tagsahung war. Aber seit Monatenschon hatte hier Zwingli über Ablaß und Sündenvergebung so heitergepredigt, daß der Mönch sehr kalt aufgenommen und ihm die Betrei-bung seines Gewerbes nicht gestaltet würde, und da er überdies seinepäbstliche Vollmacht in Konstanz nicht hakte beglaubigen lassen, so mußteder Pabst seinen Geschäftsträger im Grillen wieder zurückziehen. Ge-gen daö Fasten trat er nicht allein öjftntlich auf der Kanzel sondernauch in einer gedruckten Schrift auf, wozu er hauptsächlich durch fol-genden Vorfall veranlaßt wurde. Es hatten nämlich zu Anfang desJahrs 1522 einige Einwohner, durch Zwinglis Predigten verleitet,gewagt, an sogenannten Fasttagen Fleisch zu essen, und waren deß-wegen bey dem Rathe verklagt worden, welcher sie gcfänglich einziehenließ, da der Bischof von Konstanz die Geistlichkeit und den Rath indrohenden Ausdrücken vor solchen gefährlichen und aufrührischen Leh-nen gewarnt hakte. Je mehr sich nun die bischöfliche Parthey zur Gersienwehr rüstete, desto enger verbanden sich alle Freunde der Wahrheit