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Memorabilia Tigurina : neue Chronik oder fortgesetzte Merkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / Johannes Heinrich Erni
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298
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Prediger frey und entschlossen die evangelische Wahrheit verkündet,und der Rath sahe sich durch diese frühern Auftritte bey der Anwesen-heit Zwinglis zuerst veranlaßt, ein Mandat ausgehen zu lassen: «Daßalle Pradikanten gemeiniglich und frey die heiligen Evangelien und derApostel Episteln nach dem Geiste Gottes und rechter göttlicher Ge-fchrift predigen, und was sie damit behalten und bewähren möchten,verkünden, und was ander zufällig Neuerung und Saßungen, ver-- schweigen sollten. Als nun auch da die Zeit erfüllet war, und end-lich der rechte Mann selbst auftrat, so mußten ihm natürlich viele Ge-müther zugethan seyn, viele Hände sich ihm bieten.

Im Mittelstände, von nicht vornehmen, aber angesehenen Eltern,wurde am ersten Januar des Jahres i 484 zu Lisighaus, einem zumDorfe Wildhaus im Toggenburg gehörigen Weiler Ulrich Zwingli geboren. Frühe Anlagen des Knaben bewogen den Vater, solchen demPriesterstande zu widmen. So kam der junge Zwingli im zehntenJahre nach Basel , wo er von Gregor Binzli, Lehrer an der St.Theodorschule daselbst, und später zu Bern von Heinrich Lupulus (Wölfli) seine erste Bildung erhielt. Im I. 1499 wurde er vonseinem Vater, mit Zustimmung seines Oheims, Bartholomäus Zwingli,Pfarrers zu Wildhaus, auf die hohe Schule nach Wien geschickt, woer die damalige Philosophie studierte. Im I. 1506 erhielt er die aka-demische Würde eines Magisters der freyen Künste, und bald daraufeinen Ruf als Pfarrherr nach Glarus , und hier war es zuerst, wodem durch Wissenschaften gebildeten und mit einem rein religiösen Sinnbegabten jungen Mann ein praktischer Wirkungskreis sich öffnete, dem erin einem Alter von 22 Jahren nicht nur mit Ruhm vorstand, sondernnun erst noch die griechische Sprache durch sich selbst blos mit Hülfeeiner dürftigen Grammatik erlernte. Zu dieser Zeit da Ludwig XII .und Franz I. von Frankreich mit Waffengewalt der Familie SforzaMailand entreißen wollten, die Pabste Julius II. und Leo X. abersich widersetzten, und nebst andern auch die Schweizer in ihr Interessezu ziehen suchten, zogen auch die Glarner mit in Krieg, und Zwingli begleitete sie in drey verschiedenen Feldzügen. Kurz nach der Schlachtvon Marignan erhielt er zu großem Bedauern der Glarner einen Rufnach Einsiedeln . Hier war es, wo er, muthig gemacht durch die er-sten Schritte, auf dnen er schon vorher das herrschende Verderbenbekämpft hatte, sogar am Feste der Engelweihe auf der Kanzel auf-trat und das Widersinnige der Heiligen-Verehrung und des Ablasseszu großer Bestürzung aller Anwesenden öffentlich zu rügen wagte. AmEnde des Jahres 1518 erhielt er, durch Vermirtluug seines Freundes