Buch 
Lise und Salome die beiden Webermädchen : eine Erzählung aus dem Volksleben / von Jakob Stutz
Entstehung
Seite
24
JPEG-Download
 

24

Hauen dann schon einen Stiel finden und dir einmal auf ^andere Manier zeigen, wo dure daß es gang." Die Muttersagte noch ein Mal:Hast's auf deinem Gewissen, ich mußes nicht verantworten," ging zur Thüre hinaus und begabsich zu Bette. ^

Life schlief gar sanft und wohl an des Vaters Brust undwußte nicht, daß sich Vater und Mutter über ihr Glück undUnglück so heftig gezankt hatten. Wußte nicht, daß des Va- ,ters Herz, an welches sie, ruhig schlummernd, ihr Obr lehnte, ^ihr zum Unglück schlage, ihr verderbliche Wege weise unddurch sein Dichten und Trachten den Grund lege zu ihrenkünftigen schweren Leiden.

Armes Kind, daß das Herz deines Vaters nicht mehr

schlüge!-oder, daß dein Leben so nahe am Auslöschen

wäre, wie das Lämplein, das neben dir brennt, dem es anOel gebricht! Doch unserm Herrgott sind alle Men-schen lieb; seine Wege sind unerforschlich, er wird auch dich jweder vergessen noch versäumen.

Stumm und in sich gekehrt saß der Vater noch da, sein !geliebtes, schlafendes Kind sanft in den Armen haltend. Auf .allen seinen Zügen drückte sich innere Unruhe, Verdruß und jUnmuth aus und tiefer Zorn zuckte durch all seine Glieder.

Die Stille der Nacht bot ihm Gelegenheit, über seinRecht oder Unrecht nachzudenken; aber er war zu aufgeregtund sein Gemüth von der Sünde zu sehr verfinstert, als daßer diese wichtige Angelegenheit von geistiger Seite hätte zu ^erfassen vermögen.

Bei allem Hin- und Hersinnen fand er immer, dasKind sei schön, gescheid, wohl gestaltet, lustig und dieMutter habe in allen Dingen ganz und gar Unrecht. Erdürfe bestimmt hoffen, daß das Kind mit seinen guten Eigen-schaften noch großes Glück machen werde. Eine reiche, ho-nette Heirath werde ihm seiner Zeit nicht fehlen. Und z»diesem Zwecke werde er auch alles Mögliche thun und kein !Opfer scheuen.