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Lise und Salome die beiden Webermädchen : eine Erzählung aus dem Volksleben / von Jakob Stutz
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Gott, wie wird's noch herauskommen und was werden wir<m unserm Kinde erleben müssen! — Ach, wie die Vogelssngen, die Blumen blühen und die Sonne scheint — undich — ich muß so traurig sein!" Sie blickte in Thränen indie schöne Frühlingswelt hinaus, faltete die Hände und be-tete still.

i So trauerte und klagte eine Mutter über ihr eigen Kind— um der Sünde willen.

Neuntes Kapitel.

Ein empörender, herzbrechender Vorfall.

Ei! da kommt gewiß ein honettes, züchtiges und garliebsames Frauenzimmer den Wiesenrain herauf, geht soartig und abgemessen, wie'S nicht schöner sein könnte. Diehat sich wahrscheinlich hieher verirrt; es kann nicht anders! sein. — Und wie wir so denken, du lieber Gott, so ist esLife! und die tritt gar rasch und g'meisterig herein, gumpetüber Stecken, Schuhe und Schlirpen vorwärts bis zumSpiegel, der unter allem Hausgeräth allein reinlich gehaltenist, schaut eiligst hinein und denkt: „So habe ich ausgesehenin der Kohlgrub und auf dem Wege bis hieher. DerSchneidergesell hat mich gewiß gern gesehen, — ich ihn aberauch; und am Maisonntag geht's zum Tanz, hinüber insThurgau . Heißa! wie freut's mih druf!"

. Fürwahr, wir hätten Life fast nicht mehr gekannt, wenn! sie sich durch ihr altes Thun und Treiben nicht zu erkennengegeben hätte. Sie ist wohl mehr als anderthalb Schuhgrößer als vor zehn Zähren, ist wohl gestaltet und schlankwie eine Wespe. Aber sie hat die rothen Backen ein wenigverloren; auch sind ihre Zähne nicht mehr fo frisch, sie sindgelb, braun und schwarz wie Zucke»zeug, und die Augenliegen etwas tief, sind wässerig und trüb. Sie hat sichäußerlich gar sehr verändert, und wie sie inwendig aussieht,l)«t uns theilweise ihre Mutter berichtet.