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dulden wie jene. Aber das gute Kind fühlte nun tief, daßLesen und Selbfterfahren zweierlei sei. Aber der Grundund Boden zu christlicher Gesinnung war doch in seinemHerzen schon frühe gelegt, daher es sich bald wieder beruhi-gen konnte und auch an Niemandem Rache nahm, so sehr esdavon bisweilen angefochten wurde.
Nun kam der Schappeliersonntag (das Skapulirfeft) derzweite oder dritte Sonntag des Monats Juli, an welchemTage sich viele der jungen Leute, aus der Nähe und Ferne,nach Fischingen begeben, um die dortige schöne Klosterkircheund die feierliche Prozession zu sehen.
An diesem Tage ging ein herrlicher Sommermorgen auf.Nur einige Rosenwölklein schwebten der Sonne voran, sonstwar überall blauer Himmel und lieblicher Sonnenschein.
Gegen Mittag zogen schon große Schaaren von Mädchenund Jünglingen über die Berge dahin, Fischingen zu. Nunkam Anneli im Bogen und fragte Salomeli, ob sie nicht mitihr dahin kommen dürfte? sie hätte in der Färb in Fischin-gen Geschäfte und dann könnten sie auch einmal den Skapulirsehen, sie sei ja an einem solchen Tag noch nie dort gewesen,und Salomeli ja noch nie in Fischingen. Salomeli hatteLust zu gehen und seine Eltern gaben ihm hiezu auch gerneErlaubniß; es sei ja ein schöner Spaziergang, besonders beiso herrlicher Witterung.
Anneli freute sich hierüber und eilte nach Hause, sichreisefertig zu machen. Salomeli kleidete sich in sein himmel-blau beblümtes Kleid, weiß beblümte Schürze, ein weiß ge-sticktes Mußlinhalstuch und eine violette seidene Bandkappe.Die blendend weißen, in zierliche Falten geglätteten Hemd-ärmel hatte sie bis über die Ellbogen aufgestreift, nicht, da-mit man ihre schönen, runden Arme sehe, sondern nur, weiles von jeher so gebräuchlich war.
So nett und sommerlich gekleidet begab sich Salomelü