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Nachdem sie schon manche Anhöhe rüstig überstiegenhatten, gelangten sie in das tiefe Felsenthälchen der Auhinunter. Als Salomeli die rothe Kuppel des dortigen Kirch-thurmes durch die grünen Tannen erblickte, meinte sie schondas Kloster zu sehen. Konrad aber lachte und sagte: „Jenessei nur die Kirche in der Au und kaum wie ein Fliegenhäus-lein gegen das Kloster; sie werden noch Wunder sehen.
„Aber was bedeutet auch jenes weiße Thürmlein dort linksan der Straße beim Waldbach?" fragte Salomeli. „Ach, jenesist katholische Waare," versetzte Konrad halb spöttisch; „esist nur eine alte Bildsäule, du wirst Schöneres sehen inFischingen", und zwickte sie ein wenig an den Arm mit demRüthlein, das er so eben von einer Hecke gebrochen hatte.Salomeli wünschte dies doch näher zu sehen, damit sie, wennsie wieder nach Hause komme, auch etwas erzählen könne.Und weil Anneli noch Geschäfte bei der Meßmerin hatte,ging sie hin. Konrad aber und sein Kamerad Rudolf wolltenindeß hier ein Glas Most trinken.
' Salomeli ging — und eben knieete bei der Bildsäule einehrwürdiges Muttevli in alte Thurgauer Tracht gekleidet undbetete gar andächtig. Diese Erscheinung machte die Bildsäulein Salomelis Augen zu einem ernsten Gegenstand. Es kamihr vor, als ob sie nicht nur bloß von Stein wäre, sondernwie Etwas, das Leben in sich hätte.
Das Mutterli war indeß vom Gebete aufgestanden,
I grüßte Salomeli freundlich, während es das Paternoster umdie Hand wickelte, und fragte: „ob sie eben auch nach Fischin-gen hinab gehen wolle? — Es seien heute schon ganzeSchaaren Reformirte vorbei gezogen, was Einen recht freuen^ könnte u. s. w. Und weil das Mutterli so freundlich war,
^ fragte Salomeli, was das Bild da oben zu bedeuten hätte?
§ — „ Das ist die heilige Jda von Toggenburg," antwortetedas Mutterli. „Hier, auf diesem Platz hatte sie ein Hüttlein,
§ worin sie viele Jahre einsam gelebt und viel gebetet hat.
^ „Jda von Toggenburg?" — fragte Salomeli erstaunt.