Sieben den Theils zweytes Buch. 61
Zuſtand gaben ſie vor, daß er das LeidenChriſti vorſtellete. Sie lieſſen es dabey nichtbewenden, ſondern machten das Veſper-Bild der heiligen Maria in ihrer Kirchendurch eine kuͤnſtliche Farbe, die ihnen Laza-rus ein getauffter Jude gemacht, Blut wei-nen, welches die gantze Stadt in groſſenSchrecken ſetzte. Die verlarvete JungfrauMaria gab ihm auch etliche Tropfen Blutsvon Chriſto, auch etliche Thraͤnen, ſo ſieuͤber ſeinen Tod, und andere, ſo er uͤber Je-ruſalem vergoſſen, ſamt andern Heiligthuͤ-mern; auch faͤrbeten ſie mit bemeldter rothenFarbe zwo Hoſtien an. Sie konnten aberihr Spiel ſo gut nicht verdecken, daß nichtder einfaͤltige Jetzer zu unterſchiedlichen mah-len ſie ob dem Betrug ertappet, und ſie alsloſe Boͤßwichte ausgeſcholten haͤtte. Daher öſie aus Forcht, die gantze Sache moͤchte offen-bar werden, getrachtet, ihn mehrmahlen mitGift hinzurichten, welches aber nicht an-gehen wollen. Nachdem nun dieſe falſchenWunder- Wercke zu Stadt und Land vielredens erwecket, beſchied eine Obrigkeitden Biſchoff von Lauſanne, die Sache gruͤnd-lich zu unterſuchen, in die Stadt Bern. Die-ſer, weil er wenig Nachforſchung gethan,machte die verboßten Vaͤter noch hertzhaffterin ihrem Betrug fortzufahren. Allein dieObrigkeit von Bern wollte endlich den Ndieſes