94 Schauplatz der Natur.
Philoctetes() mit ſeinem Fuſſe den Ortzeigte, wo des Hercules Pfeile lagen,handelte er ohne Zweifel dem Verſprechenzuwider, das er ſeinem ſterbenden Freun-de gegeben hatte, nehmlich daß er nie-manden ſagen wolte, wo ſie verborgenwaren. Wenn alſo, ſeine Meynung of-fenbahren, und reden, einerley iſt, ſo kanman auch mit dem Fuſſe, mit den Augenoder mit der Hand reden. Iſt ein Menſchvor Freude entzuͤcket, oder mit Traurigkeitbeladen, ſo hat er uns von ſeinem Zuſtandeſchon vieles geſaget, ehe er den Mundoͤfnet. Seine Augen, ſein Angeſicht,ſeine Geberden und ſein ganzes Weſen,richten ſich nach der Beſchaffenheit ſeinesGemuͤthes, und geben dieſelbige auf dasallerdeutlichſte zu verſtehen. Der 9 5i
(*) Als Hercules ſterben wolte, uͤbergab erſeine Pfeile ſeinem vertrauten Freunde, demPhilectetes, und nahm einen Eyd von ihm,daß er ſie verbergen, und keinem Menſchen ſa-gen wolte, wo ſie waͤren. Einige Zeit hernach,belagerten die Griechen Troja, erfuhrenaber von dem Orackel, daß man dieſeStadt ohne des Hercules Pfeile ohnmoͤg-lich erobern koͤnte. Noch vielem Bittenlieſſe ſich Philoctetes endlich bewegen den Ortzu offenbahren, wo er ſie verborgen hatte;Doch um ſeinen Eyd zu halten, zeigte erdenſelbigen nur mit ſeinem Fuſſe, ohne
ein Wort zu ſprechen.