Achte Unterredung. 151
gen eine richtige und hinlaͤngliche Antwortgeben muͤſſe. Der Menſch iſt nicht ge-
macht, alles zu wiſſen, noch ſein Verſtand, 5alles zu ergruͤnden. Hingegen haben ſie
meiſtentheils unterlaſſen, das wichtige Vor-recht zu gebrauchen/ welches die Vernunftwuͤrklich genieſſet, nemlich, den Lebens-Wandel des Menſchen, ſowohl, als ſeineHerrſchafft, vollkommener zu machen, wel-chen Endzweck ſie auch allezeit erreichet,wenn ſie denen Lehren der Erfahrung fol-get/ und den aͤuſſerlichen Zeugniſſen Glau-ben beymiſſet, die ihr im Reiche der Naturund im Reiche der Gnade hinlaͤnglichenUnterricht geben. Der allgemeine Irrthumdieſer Leute war dieſer, daß ſie bey derVernunft das Licht ſuchten, das ihr ſelbſtfehlte. Sie glaubten, man koͤnne durchSchluͤſſe herausbringen, was GOtt ſichſelber vorbehalten hat, zu wiſſen und zuthun. Derowegen iſt kein Wunder, daßin dieſer Finſterniß einer hier, der anderedort, einen Weg ſuchte, den kein einigerfinden kunte. Sie hatten ihre Schrankenuͤberſchritten.
So lange als Menſchen in der Weltſind, hat die beſtaͤndige Erfahrung ihnengelehret, daß ihre Wiſſenſchafft ſich nichtweiter erſtrecke, als ihr Vermoͤgen zu wuͤr-ken; daß ihr Verſtand ſcharf genug zudemjenigen ſey, was ſie bewerkſtelligen koͤn-
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