Achte Unterredung. 159
taͤubte, behaupteten die Rechte der Naturnachdruͤcklich genug, und bewieſen, daßdieſe andaͤchtige Seelen, voll ſchaͤndlichenGeizes, in ihren Herzen eden die Regun-
gen der Menſchlichkeit verſpuͤhren, als an⸗ f
dere, welche dergleichen Gottesdienſt auͤſ-ſerſt verfluchen. f
Es iſt bekannt, daß die Chineſer garoͤffters ihre Guͤter einem Bonzen⸗Kloſtervermachen, und ihre alte unvermoͤgendeEltern Hungers ſterben laſſen. Derglei-chen unvernünftiges Beginnen kan durchEigennutz und durch die Verfuͤhrungen derScheinheiligkeit veranlaſſet, und von denLandes⸗Gebraͤuchen gedultet, oder vonmenſchlichen Geſezen bekraͤftiget werden.Unterdeſſen kan man an keinem Orte derWelt das Alter ohne einen innerlichenVerdruß verlaſſen und arm ſehen, und esbleibt an dem aͤuſſerſten Ende von Aſieneben ſo wohl wahr, als mitten in Europa,daß die Ehrerbietung der Kinder gegen ih-re Eltern, und die Verbindlichkeit ſolchenim Alter gutes zu thun, mit zur geſundenVernunfft gehoͤre.
Es hat alſo G Ott alle Menſchen von ſol-cher Beſchaffenheit gemacht, daß ſie ebendieſeibige Sonne, eben dieſelbige Sachen,eben daſſelbige Licht erblicken, wenn ſie dieAugen oͤfnen; und daß ſie eben dieſelbigeGrund- Wahrhelten entdecken, wenn ſie
V. Theil. L ihre
DieHerr-ſchaft
desMen-chen,