Neunte Unterredung. 171
mit den Zierrathen der Einbildungs⸗Krafft Dievereinigen. Serr-Es iſt bereits angemerket worden, daß helftdie Seelen⸗Kraͤffte des Menſchen in einer Prfen,beſtaͤndigen Ubereinſtimmung verblelben, ſchen.und einander allezeit zu Huͤlfe kommenmuͤſſen. Dieſe Einbildungs⸗Krafft, wel-che ſo angenehm, ſo lehrreich iſt, ſo langeſie von der Vernuufft ſich leiten laͤſſet, wuͤr⸗ 0de uns auf lauter Irrwege fuͤhren, wennſie allein gehen, oder die Oberhand be-haupten wolte. In ihren coͤrperlichenVorſtellungen kan ſich leicht etwas falſchesmit einmiſchen; Sie koͤnnen von dem Ur-bilde ſehr weit abweichen; und ein derglei-chen unaͤhnliches Gemaͤhlde kan auf eineThorheit hinauslauffen. Es muß alſoVernunft und Einbildungs⸗Krafft einan-der niemahls verlaſſen; ſie muͤſſen beſtaͤn-dig mit einander einig ſeyn. Nur fragt esſich, worinne dieſe Einigkeit beſtehen ſolle?Die Vernunfft muß niemahls von denWahrheiten abweichen, welche von derErfahrung beſtaͤttiget werden. Sie mußallezeit das Recht vor ſich behalten, dasje-nige zu beurtheilen, was man vortragenwill, und die Bilder auszuſuchen, derenGebrauch ſie vor rathſam befindet: Hin-gegen dle Einbildungs⸗Krafft muß ſich zumGehorſam bequemen, ihr mit Beſcheiden-heit an die Hand gehen, und ſich Wen