170 Schauplatz der Natur.
Vollkommenheit vorſtellen, ſo ſind ſie dochrichtig und voll Wahrheit. Allein, weilſie nichts in ſich haben, was in die Sin-nen fiele, ſo werden ſie das Herz ſo ſtarknicht ruͤhren, als das Bild eines Vatersoder eines Richters. Derowegen ſindauch dieſe letztern viel geſchickter einen Ein-druck in die Gemuͤther des Volcks zu ma-chen; ſie ſagen auch nichts, als was ganzgewiß und wahrhaftig iſt, ſo wohl, als dieerſtern. Da wir nun vorjetzo unter kei-nen bloſſen Geiſtern, ſondern unter Coͤr-pern leben, und einer Menge coͤrperlſcherVerbindungen gemaͤs handeln muͤſſen; ſoſind die Dienſte der Einbildungs⸗Krafftetwas unumgaͤnglich nothwendiges vor un-ſern Zuſtand. Die Einbildungs-Krafftſtellet uns die Sachen vor, nicht wie ſiean ſich ſelbſt beſchaffen ſind, woran unsdermahlen wenig gelegen iſt; ſondern wieſie zu unſerm Gebrauche erſcheinen, undin der Geſtalt, wie es unſer Nutzen erfor-dert, ſie zu ſehen. Haben wir nun nichtmehr Nutzen davon, unſern Vater zu lleben,und unſern Richter zu fuͤrchten, als uͤberdas ſelbſtaͤndige Weſen und über die Zu-faͤllgkelt der Dinge Betrachtungen anzu-ſtellen? Wenn man blos philoſophiſchdencket, ſo erbauet man wenig, well manwenige Zuhoͤrer hat; will man dieſe an ſichlocken, ſo muß man gründliche Gedankenmit