zwölfte Unterredung. 217
gehen wuͤrde, wenn man ihm ſein Leben, Die
oder die Mittel es zu erhalten oder auch brauch-
den Genuß ſeiner erworbenen Guter, weg⸗ bare Lo-
nehmen wolte. Waͤre er ganz allein auf ck.
der Erde, ſo wuͤrde er auf alle dieſe Din-
ge nicht Achtung geben: Da er aber noch
andere ſeines Gleichens um ſich hat, die ihm
boͤſes zufuͤgen koͤnnen; ſo erkennet er, daß
ihm die Gerechtigkeit verbiete/ dasjenige
ſelbſt zu thun, was er von andern nicht
leiden will. Die Gerechtigkeit und der
Eigennuz haben freylich ganz unterſchiedene
Abſichten. Unterdeſſen bedienet ſich G Ott
der Beduͤrfniſſe und der Sinnen des Men-
ſchen/ um ihme die Grundſaͤze der Gerech-
tigkeit zu offenbahren. Nichts iſt weiſer
ausgeſonnen, als dieſe Ordnung. Waͤre
der Menſch unſterblich, befaͤnde er ſich auf
einer Erd⸗Kugel, da er ſein Geſchlecht durch
heyrathen nicht fortpflanzte; ſo haͤtte er auch
keinen Begriff wie lobenswuͤrdig die Keuſch-
heit und wie ſchaͤndlich der Ehebruch
ſey. Warum ſolte ihm GOtt Wahr-
beiten und Lebens- Regeln offenbahren,
die er nicht zu gebrauchen wuͤſte? Hatte
er hingegen mehrere Sinnen, als er jezo
hat; ſo wuͤrde ihm auch eine Ordnung vor-
geſchrieben ſeyn, wie er dieſe Sinnen recht
gebrauchen, und wie er vor ihrem Miß-
brauche ſich huͤten ſolle. Es haben alſo dieumwandelbahren Grund⸗Saͤze der Sit-
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