DieGptick.
606 Schauplatz der Natur.
ob die Beurtheilungs⸗Krafft gar vielesbey der Welſe, wie wir die Entfernung undVerkleinerung einer Sache ſehen, zu thunhabe. So lange uns die Sache ſehr helleund nahe vorkommt, geben wir nicht daraufAcht, ob der Winckel groͤſſer oder kleinerſey. Perſonen von einerley Groͤſſe ſchei-nen uns auch gleich groß, wenn ſchon ineinem Saale eine weiter von uns ſtehet,als die andere. Ein Fenſter, das wir durcheine Glasſcheibe des unſrigen in ſeiner voͤl-ligen Groͤſſe erblicken, ſcheinet uns groͤſſerzu ſeyn, als die Schelbe, wiewohl wir ſieunter einem groͤſſern Winckel ſehen, als je-nes. Uns beduͤncket, es ſey im dem Ge-mache gegenuͤber n, deſſen Fenſter offenſtehet, eine Schnur aufgezogen: Indemwir aber das unſrige genauer betrachten,ſo finden wir, daß eine Spinne ihren Fa-den uͤber deſſen Oefnung gezogen hatte.Dieſer Faden war alſo eine Schnur, daihn unſere Gedancken in ein, hundert Schrit-te weit entfernetes, Zimmer ſezten; Nun-mehro, da wir ihn ſehen, wo er iſt, und anjenes Fenſter nicht mehr gedencken, iſt erein kaum merckliches Geſpinnſte. J. DieOefnung im Auge erweitert ſich, und zie-het ſich wieder zuſamm, nachdem es noͤthig.Ein groͤſſeres oder kleineres Bild im Auge,verandert auch die Vorſtellung von derSache. Sehen wir durch ein Papier, wo-
rein