122 Schau⸗Platz der Natur.
Fortſe⸗ Geſaͤnge, die Lieder, und die feyerlichen
zung der Formeln. Alles dieſes findet ſich in dem
Küͤnſte. heiligen und weltlichen Alterthume, in den
alten Gebraͤuchen, und in den neuen.
Was man gerne im Gedaͤchtniſſe behalten
wolte, das brachte man in Lieder. Durch
das Singen wurde es feſt eingepraͤget.
Dle Dicht⸗Kunſt bahnete den Weg zum
Geſange, indem ſie die Worte ausſuchte,
der Rede durch das Sylben⸗Maas eine
Anmuth beylegte, und ſie mit reitzenden
Abbildungen ausſchmuͤckte. Die Spra-
chen aͤnderten ſich allmaͤhlig/ aber die al-
ten Gefaͤnge blieben wle ſie waren, man
vergriffe ſich eben ſo wenig dran, als an
einem alten Gedaͤchtniß⸗Mahle; nur
wenn die Redens⸗Arten oder Bilder un-
verſtaͤndlich wurden, erneuerte man ſie
beederſeits, oder man erklaͤrete ſie, ohne ſiegaͤnzlich abzuſchaffen.
i Dle Geſaͤnge des ehemahligen auser-waͤhlten Volkes, ſind jedermann bekannt,und man weis, was Urſache dazu gab-Die uͤbrlgen Voͤlker/ auch die alleraber-glaubiſchten und wildeſten, bedieneten ſichdes Geſanges ſelner erſten Einſetzung ge-maͤs, die GOttheit zu loben oder anzuruf-fen, den Janhalt eines Vertrages oderGeſetzes, fortzupflanzen, und ſich durchErzaͤylung beruͤhmter Thaten, zu einer lob
lichen Nachfolge aufzumuntern. Diö oͤff ent-
ö