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August Ludwig Schlözers Versuch einer allgemeinen Geschichte der Handlung und Seefahrt in den ältesten Zeiten / August Ludwig Schlözer
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364
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z64 Anhang

dieser Zeit soll sie wieder dieses Hurenlied fingen "):nimm die Laute, gehe in der Stadt umher, du ver-ga-ben, (der so weit von den unsrigen entfernet ist); und beyallem den so klug undweisheitSvoll als unwissend sind,wirdman nicht überführen können, daß ein solches Gleichniß ine-inem biblischen Buche nichts verächtliches, niedriges, odereiner hohen Schreibart unanständiges enthalte. Diejeni-gen aber, welche mehr Geschick und mehr Biegsamkeit ha-ben, Gründe anzunehmen, bitte ich zu bedenken, daß im He-bräischen, Arabischen und andern morgenländischen Spra-chen, eine Menge Redensarten vorkommen, welche uns un-anständig, niedrig und lächerlich scheinen, im Morgenlan-de aber für anständig, schön und prächtig gehalten werden;so fähret z. E. noch iht ein Statthalter im türkischen Rei-che , unter andern Ehrentiteln, auch den, daß er der Eselderjenigen Provinz, welcher er j vorsteht, genannt wird.Wenn also der Verfasser de« bekannten Buches, 1.2bleüe commercante, aus unserer Stelle den Schluß fol-gern will, daß Jesaias den Handel für sündlich erkläre,weil er ihn mit der Hurerey vergleicht: so verrath er da-mit nur seine Unwissenheit in den morgenländischen Spra-chen. Könnte wohl im i?ten Verse gesaget werden, Gottwolle Tyrus aus Gnade wieder zur Hurerey und zum Hu-renlohne verhelfen, wenn etwas sündliches darunter ver-standen würde.

l 8 ) Hier wird ein Hurenlied angeführet, das vermuth-lich sehr bekannt muß gewesen seyn, und das die Huren sichvermuthlich einander müssen zugesungen haben. Ein solchesLied in einem hohen und ernsthaften Gedichte einzuführen,erlaubte das morgenlandische Decorum, obschon es unsermGeschmack sehr anstößig ist. Die Ursache dieses Unterschie-des , muß man in dem Umgänge mit dem Frauenzimmersuchen, der in Asien bey weiten nicht so frey ist, als inEuropa.