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28. Buch. Heinrich der Vierte.
1 5 89 steiglichen Hindernissen zu kämpfen, die gröstentheils von seinem Glauben an den refor-mirten Lehrbegriff, von der Wuth der Ligue, von der Schwache seiner väterlichen Staa-ten, und vom Mangel fremden Beystandes erzeugt wurden. Der Adel, der ihn undden ermordeten König begleitet hatte, war bey der Mannichfaltigkeit seiner weltlichenund geistlichen Absichten verschieden gesinnt. Einige, die dem neuen Monarchen un-mittelbar oder persönlich zugethan waren, schwuren ihm unverbrüchliche Treue; und diesthaten, ausser den reformirten Herren, auch katholische: andere erklärten ungescheut,daß sie lieber sterben, als einem hugenottischen, vom Pabst des Throns für unfähig er-klärten König, dienen wollten. Noch andere — und diese waren weit gefährlicher —beobachteten ein tiefes Stillschweigen, und schienen auf wichtige Entwürfe zu denken,oder wollten sich wenigstens nicht übereilen, sondern sich nach der Beschaffenheit künfti-ger Umstände richten. Viele von diesen folgten der Stimme ihrer Habsucht, und for-derten entweder ohne Umschweife Gnadenbezeugungen für ihre künftig zu leistendeDienste, oder gaben doch durch Erregung mancher Schwierigkeiten ihr Verlangen zuerkennen.
Sie bessert Indem die verschiedenen Parteyen Rath hielten, überlegte auch König Hern-
sich. rich mit seinen Vertrauten, wie er sich bey dieser äusserst bedenklichen Lage zu verhaltenhätte, ob er sein Glück und Leben einer Armee, deren Anführer ihm in so manchem Be-tracht verdächtig seyn musten, anvertrauen, oder ob er sich mit seinen besten Truppenüber die Loire in diejenigen Provinzen zurückziehen sollte, wo er mehrere Anhänger hatte?Chaumont, Herr von Gurtn, bewegte ihn, festen Fusses stehen zu bleiben, indem diesseine Anhänger stärken lind vermehren, die Liguisten hingegen abhalten würde, über seineEntweichung zu frohlocken. Zugleich riech man ihm, den Marschall von Biron, dessenErfahrung, Tapferkeit und Ansetzn bey der Armee vorzüglich groß war, zu gewinnen.Dies geschah: Biron bewies sich sehr willfährig und rechtschaffen, und erhöhte dadurchden Muth des Königs, und seiner Freunde, nicht wenig. Heinrich ersuchte ihn denenbeysdem Heere befindlichen Schweizern den Eid der Treue abzunehmen. Diese warenaber schon durch den Patrioten Harlai von Sanci gewonnen worden, so daß sie sicherboten, dem König noch drey Monate lang zu dienen, ohne während dieser Zeit Soldzu verlangen. Diese gute Beyspiele erweckten Nachfolger. Viele Herren schämtensich ihrer Bedenklichkeiten, kamen wieder zu sich selbst, und hielten eine Versammlung,worinn einige Unentschlossene vorschlugen, die Wahl eines Königs bis zu einer unver-züglich zu haltenden Versammlung der Stände zu verschieben, und unterdes den König, von Navarra blos,zum Oberbefehlshaber der Truppen zu ernennen: allein, die meistenbeschlossen, Heinrichen von Bourbon, König von lTlavarra, für den rechtmäßi-,gen Kronerben zu erkennen und ihm den Eid der Treue zu leisten. Diesem Entschlußzu Folge ließ man den König schwören, die katholische, apostolische und römische Religionin Frankreich zu erhalten, sichln derselben unterrichten zu lassen, sich dem Ausspruch ei-nes allgemeinen oder eines Nationalkonciliums, das in sechs Monaten versammlet wer-den sollte, zu unterwerfen, und den Tod seines Vorgängers an dessen Mördern zu rä-chen. So bald Heinrich sich Zur Erfüllung dieser Punkte verbindlich gemacht hatte,huldigten ihm die gegenwärtigen Prinzen, hohen Kronbedienten, Herren, und Edelleu-te, als ihrem rechtmäßigen Oberherrn, und schwuren, ihr Vermögen und Leben zu sei-nem Dienst aufzuopfern.
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