14
28. Buch. Heinrich der Vierte.
1590 rentmeisters, Marquis von O, verursachte Geldmangel vorzüglich hinderte, bot er gleich
am folgenden Tag seinen Feinden Frieden an.
Verlegenheit Das Oberhaupt derselben, der Herzog von Mayenne, den die Liguisten zur
Mamnne Schlacht genöthiget hatten, war sehr bestürzt über den erlittenen Verlust; zumal da sei-ne Armee, der er vorher keinen Sammelplatz im Fall einer Niederlage, angewiesen hat-te, ganz zerstreuet war, und er fast allein nach Mantes floh, von da er am folgendesTag nach Pontoise, und dann nach St. Denis eilte, indem er sich schämte, in Pariseinzuziehen, und sich den Spöttereyen seiner Neider und Widersacher auszusetzen. DieTröstungen seiner Verwandten und der Prälaten vermochten nichts über den Kummer,den die täglichen Nachrichten von dem Fortgang der siegreichen Waffen des Königs, derParis zu bürgern drohte, in ihm nährten. Er schrieb die dringendesten Briefe an denKönig von Spanien, per vor kurzem ein prahlerisches Manifest hatte ergehen lassen,worinn er versicherte, er würde die Waffen nicht eher niederlegen, bis er die Ketzereyausgerottet, und die Türken aus dem gelobten Lande gejagt haben würde. Dem zu Fol-ge konnte er die Ligue nicht wohl verlassen, und seine Unterhändler verpflichteten sich inseinem Namen zu schleuniger lind mächtiger Hülfe. Beym Pabst that man die lebhaf-testen Vorstellungen: aber Gixrus sieng an, als ein dem Betrug entgangener Mann,zu handeln. Der Herzog von Luxemburg harte schon verschiedener^ Gehör beyihm gehabt, und die Spanier und üguisten fühlten die Wirkungen davon, obgleich Six-tus viel zu politisch war, als daß er die Änderung seiner Gedanken sogleich deutlich ge-äußert hatte. Er verschob blos unter diesem oder jenem Vorwand den Beystand, dener vielleicht völlig zu verweigern schon entschlossen war. Demohngeachtet bemühte sichdie Ligue, in öffentlichen Schriften die Hoffnung des Volks mit stolzer Zuversicht aufUnterband.- päbsiliche Hülfe zu unterhalten. Allein, die Handlungen der Häupter entsprachen nichtlangen der Li- diesen schmeichelhaften Versprechen, indem sie Unterhandlungen — die gewöhnlicheguisten mit Zuflucht der Schwachen! — suchten; und diese wurden auch von nun an bis zuvem vvmg. Ende des Kriegs so häusig, daß sie nur selten unterbrochen wurden. Bald suchten dieLiguisten Zeit dadurch zu gewinnen, bald die Absichten der dem König ergebenen Herrenzu ergründen, oder sie zu verführen, und fast nie hatten sie den ernstlichen Willen, zueinem Schluß zu kommen. Lange handelten sie nach dem von den Spaniern aufgestell-ten Grunds tz: der Bearner würde sich nicht bekehren, und wenn er es auch thäte, sodürfte man ihn nicht als K önig erkennen, weil ihn sein erster Abfall auf immer desThrons unwürdig gemacht habe. Mit ihm also wollten sie sich gar nicht einlassen, son-dern nur mit den katholischen Herren seiner Partey, mit denen sie Mitleiden hatten, alsmit Leuten, die blindlings ins Verderben rennten. So lauteten glich die Beweggründe,bieder Leget bekannt machte, als er mit dem Marschall von Btron bald nach derSchlacht bey Jvri sich unterreden wollte. Allein, seine verstellte Frömmigkeit blendeteKonferenz zu bey der zu LAoisl angestellten Zusammenkunft weder den Marschall, noch andere Her-Noi>i. reu, die im Stande waren, seinen geheimen Endzweck zu erkennen, der blos dahin gieng,den Fortgang der königlichen Waffen durch einen Waffenstillstand aufzuhalten. Beydieser lind bey andern Gelegenheiten, ersuchten die katholischen Herren den König alle-mal um Erlaubniß. Sie thaten dies nicht allein aus Pflicht, sondern auch zur Krän-kung des Legaten und der Spanier, indem sie ihnen dadurch zeigten, daß diese Erlaub-niß vom König, den sie nicht erkennen wollten, abhänge. Der bald hernach erfolgte
natür-