Band 
Neun und dreyssigster Theil.
Seite
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28. Buch. Heinrich der Vierte. lZ

»von dem Elend des Kriegs befreye, und daß mein Blut das letzte sey, das bey diesen 1592»Handeln vergossen wird.., Dieses Gebet ermunterte sein Heer so sehr, daß es mitunbeschreiblichem Eifer rief: Es lebe der König! und wer es noch jetzt liefet, wird dasH^rz und die Frömmigkeit Heinrichs hochschätzen müssen.

Nachdem er hierauf seinen Helm aufgesetzt hätte, auf dem ein Busch 'von dreistlverssen Federn in die Höhe ragte, redete ex die Schwadrone, die er selbst anführte, mitden Worten an: „Meine Gefährten! wenn ihr heut euer leben für mich wagt, so wa-«ge ich auch das meinige für euch. Ich will entweder siegen, oder >nit euch sterben.

»Ich bitte euch, bchauptet eure Stellung tapfer : und weny die Hitze des Gefechts»macht, daß ihr sie verlaßt, so vereinigt euch geschwind wieder, deNn hierauf beruhet der»Gewinnst der Schlacht. Thut dies zwischen den drey Bäumen, die ihr Wer oben zur»rechten Hand seht; und wenn ihr eure Standarten verlieren solltet, so verliert nur»meinen weissen Federbusch nicht aus dem Gesicht; ihr werdet ihn beständig auf den»Weg der Ehre und des Siegs finden.»

Wie dex König seine Leute geordnet habe, ist für die Nachwelt nicht so wichtig zuwissen, als wie er selbst mitten unter den grossen Haufen der spanischen Lanzen gedrungen,sich auf alle Seiten gewandt, wo Hülfe nöthig war, und durch seine ungemeine Tapfer-keit sich selbst den Sieg erworben hat. Der Marschall von Biron, der mit einemabgesonderten Haufen nicht gefochten, sondern sich nur am gehörigen Ort gegen dieFeinde gezeigt hatte, sagte zum König: »Es ist nicht recht, Sire! daß Sie heute das»gethan haben, was Biron hatte thun sollen, und daß Biron das gethan hat, was Ewr.»Majestät hätten thun sollen. „ In der That wagte er seine Person, für einen Königund obersten Feldherrn zu sehr: ob man gleich die edelmürhigeN Ursachen, die ihn dazuantrieben, nicht anders als loben kann. Sein Sieg war ganz vollkommen. Es blie-ben vom feindlichen Heer, das aus »6bis 17000 Mann bestanden hatte, kaum 4000übrig, die nicht, getödtet, oder gefangen worden waren. Der spanische Feldherr, Grafvsn Egmont/ kam selbst ums Leben. Heinrich sagte, als er die. todten Spanier er-blickte, lächelnd zu denen, die ihn begleiteten: »Heute muß mich der König von Spanien»für einen König von Frankreich erkennen; ich habe ihm einen guten Beweis gegeben,

»daß ichs bin, indem ich so viele Spanier von den Kröpfen geheilt habe.Er vergaß"lcht, daß er sich in der traurigen Nothwendigkeit befinde, seine Unterthanen zu bekrie-und als daher die Seinigen ohne Unterschied die Feinde tödteten, rief er ihnen.zu:der Franzosen, und macht die Ausländer nieder!» Doch auch gegen diesevezeigte er sich g„^g ^md liebreich. Ein grosser Haufe Schweizer im Dienst der LigueMt noch auem Stand, und sollte eben angegriffen werden; allein Heinrich, der vieleSoldaten von dieser Nation unter seinem Heer hatte, die' ihm gleich bey seiner Thron-besteigung treu und nützlich gewesen waren, bot ihnen einen Vergleich an, und ließ siem ihr Vaterland zurückbegleiten. Er erkannte auch die Verdienste des Adels und derBefehlshaber, die ihm in dieser Schlacht rühmlich beygestanden, mit aufrichtiger Dank-barkeit. Als man ihm sein voll Scharren gewordenes, und noch vom Blute triefendesSchlachtschwerd überreichte, wandt' er mir Schaudern die Augen davon weg, und stuf-zete über die Ausschweifungen, zu denen der Krieg selbst den Menschenfreund zwingt.

Anstatt seinen Sieg zu verfolgen, woran ihn freylich der durch die Untreue seines Ober-

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