Band 
Neun und dreyssigster Theil.
Seite
17
JPEG-Download
 

28. Buch. Heinrich der Vierte.

!?

r§-»

kraute sich niemand, seine Noth merken zu lassen, weil dies sonst sär Widerfpensttgkeltwider die Parlamentöschlüste wäre erklärt worden. Ottern und Schlangen nagten mden öden Wohnungen an unbegrabenen lcichnamen. Endlich erneuerte gar eine Mut-ter die Greuel der Belagerung von Jerusalem; sie liest die Wieder ihres gestorbenen Kimdes braten, und starb für Kummer über diese entsetzliche Nahrung.

Während der zwey Monate, so lang die Einschließung datierte, ward nur emeeinzige wichtige Empörung gegen die Häupter der ügue veranstaltet, aber auch noch baldgenug entdeckt, und verschiedene Personen, die Theil daran hatten, andern zur War-nung, gehängt. Doch gab dies Anlaß zu einer Unterhandlung mit dem Konig, derohnehin zur Ergreifung aller möglichen Mittel, den Frieden zu befördern, geneigt war.

Allster politischen Ursachen, die Stadt noch vor der Ankunft des spanischen Feldherrn,

Herzogs Alexander von Parma, der schon auf der Gränze stand, in Besitz zu neh-men, trieb ihn die Güte seines Herzens mächtig, dem Elend seiner Unterthanen einEnde zu machen. Heinrich hatte Briefe in die Stadt werfen lasten, durch die er, imFall der Uebergabe, Frieden und allgemeine Verzeihung versprach. Alle Royalisten, dieGelegenheit hatten mit den Parisern zu sprechen, es sey nun bey Allsfällen oder bey ih-rer Gegenwart in der Stadt selbst, wohin sie sich bisweilen zur Besorgung ihrer Ange-legenheiten mit Schutzbriefen begaben, ermähnten ihre Mitbürger zum Gehorsam, lindrühmten die Güte und den Edelmuth des Königs. In der That bewies er dies durchviele Handlungen und oft hörte man ihn das Schicksal des verblendeten Volks beseufzen;vornemlich geschah dies bey der Zusammenkunft in der Abtey St. Anton, wozu von Sei- Am z.Auguftten der iiguisten vornemlich der Kardinal Bischof Gondi von Paris, und der Erzbi-schof von Lyon, Peter von Espinac, abgeschickt waren, die sich aber nicht als Bitten-de, sondern als Mittler betragen wollten. Heinrich that alles, was einem Monarchengegen verstockw Unterthanen möglich ist; er liest sich weit herab; er vergoß Thränen überdas Elend des Staats; er schilderte selbst mit den lebhaftesten Farben die Greuel derAnarchie, die Richtstühle ohne Obrigkeit, die Städte ohne Handel, die Fluren ohne Ar-beiter, die sonst so blühende Hauptstadt, die nun von Fremden verheeret und ein Raubdes schrecklichsten Hungers geworden war. Er beschwur die Abgeordneten, französischzu denken und sich nicht als Werkzeuge der spanischen Habbegierde brauchen zu lasten;wld da er sie unbeweglich fand, liest er sie mit der ehrenvollesten Begegnung von sich.

^ gab ihnen seine Bedingungen schriftlich mit, in der Absicht, daß sie öffentlich sollten-m^^n werden: allein, die Scchszehner streuten vielmehr aus, Heinrich verlange, ^dingte Uebergabe. Dadurch bestärkte man das Volk in seiner Halsstarrigkeit,un e ^cgte es zur geduldigen Erwartung des Entsatzes.

-purch unaufhörliches Bitten hatten nemlich die Liguisten endlich ein starkes Auf-Befehl

Franks m^dm'ck man daselbst beschlossen hatte, den Krieg in AK°mg°o.

Frankrelch nur durch Franzosen zu unterhalten, und ihnen nur ermge Hulfötruppen zu^Herzog v,enasten, die stark genug waren, beide Parteyen gegen einander im Gleichgewicht zu Parma zumerheitert, und zu schwach, als daß durch sie etwas könnte entschieden werden. Allein, Einsatz derdte Hossnungen der ügue waren so tief gesunken, daß dergleichen politische Maaßregeln Stadt herbey.

mehr statt fanden. Die ganze Stärke der Ligue lag in der Hauptstadt, derenSchicksal das Gewebe der spanischen Ranke, das mit so grossen Kosten war angelegtbald zu zerreißen drohte. War Paris erobert, so siel die ganze Parten vonM2.W.H.ZS.TH. C Mst.