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28. Buch. Heinrich der Vierte.
gediehen, daß zu dessen Ausführung nur noch die Einwilligung des niederländischenStatthalters Erzherzogs Albrecht, und eine hinreichende Unterstützung mit Mann-schaft erfordert wurde. Alles wurde gern bewilliget und mit mancher List vollbracht.Die letzte bestand darin«, daß man, nach gehöriger Vertheilung der Truppen bey derNacht in der Nahe der Stadt, früh Morgens ohngefähr zwanzig Mann, woruntervier Officicre waren, als Bauern und Bauersweiber verkleidet und mit verborgenenWaffen, mit allerhand lebenömitteln, Tragkörben und Sacken voll Obst zum Verkaufan die Stadt schickte, und ihnen einen mit Holz beladenen Wagen nachfolgen ließ. Sosehr sich auch die Spanier in der Nacht vorgesehen hatten, daß nichts von ihrem Vor-haben möchte bekannt werden, so waren doch ganz früh einige Bauern in die Stadt zudem Bürgermeister mit der Versicherung gekommen, es befanden sich Truppen in derNachbarschaft der Stadt, besonders vor dem Thore Montrescü. Der Bürgermeisteraber lachte sie aus, und schickte sie als Träumer von sich. Die verkleideten Bauernwurden ohne Schwierigkeit eingelassen. Als sie vor der Hauptwache bey dem Thor vor-bey kamen, öfnete einer heunlich seinen Sack, aus dem Nüsse herausrollten, worüberer sich sehr bestürzt stellte. Die Bürgerwache, die ohnehin sehr schwach war, lief her-bey , um sich der Nüsse zu bemächtigen und des vermeintlichen Bauers zu spotten; dar-über achteten sie nicht des Wagens, der unterdes unter dem Thor ankam und von sei-nen Führern in eine solche Stellung gebracht ward, daß die Zugbrücke nicht konnte auf-gezogen und das Fallgatter nicht herabgelassen werden konnte; auch schnitten sie geschwinddie Strange ab, woran die Pferde zogen. Der Kapitän d'Dgnano gab hierauf durcheinen Pistolenschuß das Zeichen zum Angrif, und siel mit seinen verkleideten Soldatenüber die fünfzehn bis zwanzig wachhabenden Bürger her, und stieß sie augenblicklich nie-der, bis auf drey oder vier, die sich herzhaft wehrten, ein Paar Spanier tödteten, undfechtend gegen den Wall sich zurückzogen, und das Fallgatter herabliessen, das aus ein-zelnen Balken bestand, die auf den beyden Seiten des Wagens herabfielen und mittenoben auf dem Wagen stehen blieben. Zum Glück für die Spanier kam nun ihr näch-ster aus zweyhundert Mann bestehender Hinterhalt herbey, durchbrach das Gatter, zogden Wagen weg, und drung in die Stadt ein. Die benachbarten Bürger waren un-terdes zusammengekommen und hatten unter andern den Kapitän d'Ggnano gerödtet;nun aber wurden sie vertrieben, zumahl da eine Kompagnie Küraßiers durch das Thoreinzog lind die Infanterie unterstützte. Die übrigen Truppen unter Ferdinand Teillokamen bald nach und besetzten alle Posten, die zum Theil hätten vertheidigt werden kön-nen, vielleicht so lang, bis die in der Nachbarschaft liegenden Schweitzer zum Beistandherbeigekommen wären, zumahl wenn der in der Stadt liegende Graf von St. Po!den wenigen Adel und die Menge rechtschaffener Bürger zur standhaften Gegenwehr er-muntert hatte: allein, er selbst, nebst den treuesten Dienern des Königs, und einigenReformirten, eilte über die Somme hinüber nach Corbie. Seine Absicht war zwar,die Schweitzer und die Besatzung zu Corbie selbst zu holen, in Hofnung, daß sich dieBürger so lang gegen die Spanier wehren und erhalten würden. Allein, er kam dochzu spät, und die Spanier waren ihm auch der Zahl nach überlegen. Einige Tage dar-auf kam St- Pol dennoch mir einem stärkern Haufen wieder. Weil aber in der Stadtalles ruhig blieb, und der Marquis von Montenegro mit der ganzen spanischen Re^terey ihm entgegen zog, so nahm er in guter Ordnung den Rückweg nach Abbeville.
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