Band 
Neun und dreyssigster Theil.
Seite
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29. Buch. Ludwig der Dreizehnte. 125

und ließ daLey den König versichern, daß es die Versammlung worüber er sich beschwe- 1615

re, nicht anders, als mit seiner Genehmhalrung, verlangt hatte. Der Kvnig schienamn zufrieden zu seyn, und versprach, den Parlamentschluß in seinem Rath untersu-zu lassen.

Die Kammern versammleten sich wieder, und beschlossen, den König zu bitt Am 9. April.E', daß er dem Parlament seine Gesinnung in Absicht auf die Versammlung der Prm-ätn und Herren zu wissen thun möchte. Sie bekamen auch würklich Befehl, Abgeord-nete in das Lcuvre zu schicken, denen der Kanzler erklärte, daß das Parlament so wenigRecht hatte, sich in die Regierung des Staats zu mischen, als in die Rechnungs - undSalzsteuerangelegcnheiten, und daß es den Schluß wegen Versammlung der Prinzenrc. rc. nicht vollziehen sollte. Tags darauf beschlossen die versammleten Kammern, dem Amro.AprilKönig Vorstellung wegen der Unordnung des Staats zu thun, und man ernannteKvmmissarien, um sie aufzusehen. Ob nun gleich auch dies verboten wurde, so wag-ten sie es doch, um ein Gehör anzuhalten, und ihre Vorstellungen dem König zu über-reichen. Das Parlament behauptete darinn, daß es berechtiget sey, sich um dieStaatsgeschafce zu bekümmern, und bewies es durch Beispiele aus der Geschichte.

Es zeigte hierauf die Gründe an, um welcher willen es die Prinzen, Pairs undKronbediente zusammenberufen hatte, führte die abzustellenden Misbrauche an, verlang-te , man sollte die von dem verstorbenen König mit den fremden Machten errichtetenBündnisse unterhalten, die Reichsbeamten und Befehlshaber oder Statthalter bey ihremAnsetzn schützen, und die Juden, Zauberer und Giftmischer nach Gerechtigkeit bestra-fen. Umständlich rügte man die bey der Finanzverwaltung eingcrissenen Misbrauche;denn von den Vierzehen Millionen, die Heinrich der Vierte in der Bastille hinter-lassen hatte, waren nicht mehr, als 2050000 Livres übrig. Der Aufwand für dieköniglichen Kammer-Tafel-Küchen-und Kellerbediente war um 500000 Livres gestie-gen , und die Zahrgelder hatten sich über zwo Millionen vermehrt. Die meisten übri-gen Artikel kamen mit dem überein, was der Bürgerstand schon in dem Verzeichnis; sei-ner Vorstellungen vorgetragen hatte.

Nach öffentlicher Vorlesung dieser Vorstellungen begab sich der König in dieRathSverfammlung, und die Abgeordneten des Parlaments erwarteten die Antwort ineinem nahen Zimmer. Sie wurden alsdann in das Kabinet des Königs gerufen, derzu ihnen sagte: Ich habe eure Vorstellungen gehöret; ich bin nicht damit zufrieden. Die Königin, meine Mutter, wird euch das übrige sagen.

Diese Fürstin sagte hierauf,-der König habe grosse Ursachen, ihre Vorstellungen umgnädig anzusehn, zumal da sie größten Theils gegen ihre Regentschaft gerichtet wären,die doch die glücklichste gewesen, die Frankreich je gesehen hätte, und weil die Vorstel-lungen nicht vom ganzen Parlament wären gut geheissen worden. Und nun gerictb sieso sehr in Hitze, daß sie nicht weiter reden konnte. Der Kanzler sagte im Namen'desKönigs, der König von Frankreich sey, als Monarch, niemand als Gott von seinenHandlungen Rechenschaft schuldig (ja, wenn es noch Handlungen des Bönigs ge-wesen wären! ) auch die Königin habe ihr Verhalten während der Regentschaft nur beyGott zu verantworten. Zuletzt versprach er ihnen eine umständlichere Antwort auf ihreVorstellungen.

O. z

Ais