54 §
zo. Buch. Ludwig der Vierzehnte.
r66r Hofleute fiengen an davon zu reden; die Königin Mutter gab Verweise; bek
von Zlttjou beschwerte sich; die junge Königin weinte; und das ganze königliche H^swurde zerrüttet. Der König wiederholte zwar seine Besuche seltener, aber er war dochLudwig 74nicht so tugendhaft, daß er seine Liebe in den Besitz seiner Gemahlin eingeschränkt h^wahlrsichemew. Erlernte das Staacsftäulein der Herzogin von Anjou, la Valiere kennen/dtt' ' sihon liebte, ehe er aufmerksam auf sie wurde, und sie ward seine erste Maittesft
Da das Herz des Königs gegen die Eindrücke der Liebe so empfindlich undVerstand zu den Geschäften so wenig gewöhnt war, so glaubte niemand, daß die glitt''.Absichten, die er nach Mazarrns Tode geäußert hatte, von standhaftem Erfolg s^.würden. Allein, er wüste seine Zeit zwischen den Beschäftigungen der Liebe und ^Staats so zu vertheilen, daß die letztem durch die erstem nichts zu verliehren schielst"'Freylich hatte er eine schlechtere Erziehung genossen, als Prinzen gemessen sollten:
lein, Mazarini hatte ihn doch noch in den Geheimnissen der Staatskunst untern^
tet. Er hatte einen grossen Theil von dem Grunde legen gesehn, auf dem er den M'seiner künftigen Grösse aufführen sollte; und als Mazarmi das von Richelieu a»S'fangene Werk endigte, so konnten ihm die Lehren des einen und die Beyspiele des Adem zum Unterricht dienen. Er schien eine gewisse Fertigkeit zu besitzen, seine GefiÄ,te geheim und nach einer gewissen Methode einzurichten, und in seinem Betragen zucfthaltend zu seyn und seiner Würde gemäß zu handeln. Wir jagen mit Fleiß: es stifte"'derm es kamen freylich oft Zeiten, wo er Eckel an Geschäften empfand und sich seift
grossen Feldherren und Ministem überließ, die ihm das Glück zuführte, und die
Grunde doch alle Entwürfe verfertigten , die er alsdann nur genehmigte und die:hernach ausführten. Die ihm dienenden Staatsmänner waren Schüler der Kardift,Richelieu und LNazarmi, und sie blieben den guten und schlimmen GrundsätzenLehrer treu. Und wie sie mehr Vortheils des Genies und der Erfahrung harten/die meisten übrigen Staacsminisift in Europa; so halten sie auch noch den Vor'?über diejenigen, die ihnen gleich waren oder sie übertrafen, daß sie einem Herrn dielst^dessen unumschränkte Macht bereits gegründet war, und bey dem sie ihre Fähigke"ohne Widerspruch zeigen konnten.
Frankreichleistet den
In Ansehung der auswärtigen Geschäfte gieng das erste Augenmerk dieser -Portuaics * " ttlster auf Portugals Angelegenheiten. Dieses Reich führte mir Spanien einen sEzheimlichere ren Krieg, und war von Frankreich, das mit ihm im Bunde stand, im pyrenäU^,Frieden verlassen worden; weil Don Ludwig von Haro, der gegen die Portt'ftsen, die ihn zu einem schimpflichen Rückzug genöthigt hatten, erbittert war, oHlik^,,Bedingung mit Frankreich keinen Frieden hatte eingehen wollen. Nun aber hatte l" jvon Seiten Frankreichs zu befürchten, Spanien möchte mit feiner ganzen MachtPortugal los gehn, und nach Eroberung dieses Reichs Ludwigen zur Rückgabesen, was er durch den pyrenäischen Frieden erhalten hatte, nöthigen. Man beRalso, Portugal nicht hülflos zu lassen. Weil es aber Kunst kostete, diesen Enst^„cmit jener Fricdensbedingung zu vereinigen, so begnügte man sich in diesem Iaht ^damit, daß man den Frieden der Portugiesen mit den vereinigten Niederlaft^und ihre Verbindung mit England beförderte. Rar! der Zwecke vermähltesmit einer portugiesischen Prinzessin, und versprach in dem Ehevertrag, Volkhülfe ^
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