Band 
Neun und dreyssigster Theil.
Seite
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Srrsmgkeitnur PabstAicranderSenile» unddessen Ncxo:;eu.

554 zo.Buch. Ludwig der Vierzehnte.

diesen Städten Menschen gab, die sich blos davon ernährten. Die Kapitäne liehfNeinander ihre Soldaten, so daß bisweilen zwo oder drey Kompagnien durch diese n>^drige Kunstgriffe vollzählig schienen, und doch würklich zusammen kaum Eine vollzoglige Kompagnie ausmachten. Man musterte mit der äussersten Strenge; man jagtediejenigen, die untüchtig zum Dienst waren und sich doch eingeschlichen hatten/ oh^Barmherzigkeit fort. Man gab jedem Regiment unterschiedene Kleidungen, da vor'her jeder Soldat sich kleiden konnte, wie er wollte, oder wie es dem Geitz des Kapitalbeliebte; die meisten waren baarsuß und hatten so elende Kleidung, daß man sie chckfür Bettlerhaufen, als für Kriegslcute, hätte halten sollen. Die meisten Kapitäne derReuterey unterhielten ihre Pferde schlecht; bey der geringsten Ermüoung fielen sieman legte deswegen Magazine an, und die Fourage muste regelmässig daraus gerroin*meN werden. Die Kommiffarien, Inspektoren, Intendanten, Obristcn, hatten^sondere Befehle, auf Verhütung der Unterschleife zu jehen, die bey diesen neuer? ^stalten hatten geschehen können. Man nahm den Jnnhabern fester Plätze und Regl'menter das Recht, den Offrcieren Urlaub zu geben: diese musten sich deshalb selbst/,"den Kriegsminister wenden. Dies machte die Offtciere überhaupt geschickter und Eget zum Dienst, und dann ward dadurch verhütet, daß die Verweigerung des Urla»^den obersten Befehlshabern keinen Verdruß von ihren Subalternen zuzog, und daß ^Bewilligung des Urlaubs als eine Gnade des Hofs angesehen wurde. Zugleich verest'nete man, daß diejenigen, die über die bestimmte Zeit des Urlaubs ausblieben, soTage, als sie darüber abwesend waren, im Gefängniß zubringen musten. Dies ^schieht noch heut zu Tage, so gar daß der Officier, der es hierin versehen hat, sich gleissselbst bey seiner Rückkunft als Gefangener darstellt.

Bisher hatte der Mangel an Ordnung unter den Truppen unaussprechlichUebel verursachet. Blos die Hoffnung zum Plündern machte den Dienst reizend.würkte zwar gelegentlich grosse Tapferkeit, aber es war dabey nicht möglich, Manhzucht zu erhallen. Die Soldaten waren den Bürgern, noch weit mehr den landleN^

zur last; in den Winterquartieren übten sie alle Arten von Gewaltthaten aus/Geld und andere Bedürfnisse zu erpressen; auf ihren Märschen betrugen sie sich cj

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unter Freunden als Feinde. Flecken und Dörfer brandschatzten sie; die Ländereyen hGeistlichen, insonderheit der Abteyen, waren gleichfalls ihren Bedrückungen aEsetzt. Kurz, die Zeiten der Feudalverfaffung könnten in diesem Punkt für die Landwohner nicht trauriger gewesen seyn. Die Grossen des Reichs gierigen oft noch wein'die Befehlshaber der Festungen , die ihren Besatzungen unumschränkt befahlen/ sthden oft Brandschatzungen in feindlichen Ländern aus/ ohne Rechenschaft deswegen ^zulegen. So trug z. B. die Befehlshaberstelle in la Baffee uncrmäßliche Sunheim Der Graf von Broglic», der sie damals besaß / hatte alle Winter zu Paris "ögefahr zweyhunderttausend Thaler verspielt, machte ausserdem übertriebenen Austhund hinterließ doch seiner zahlreichen Nachkommenschaft ansehnliche- ReichthümerDurch dies innere Wachsthum des Staats vergrößerte sich auch dessensehn bey auswärtigen Machten. Selbst der Pabst, der mehr gewohnt war,vorzuschreiben als anzunehmen, muste Frankreichs Grösse fühlen. Die jungenzösischen Officiere hatten zeither in den italienischen Kriegen den eifersüchtigen

w) Vergf. /k/s/n/r/Hv Dp. 64 iqq.