Zcr.Buch. Ludwig der Vierzehnte. 659
wichen dem Gefecht, und segelten nach dem mittelländischen Meer, weil Lirdwi'g beschlossen hatte, 16 ? -
die Gewalt seiner Waffen am nachdrücklichsten gegen Spanien zu brauchen. Ruffel folgte ihnen mitdem größten Theil der vereinigten Flotte, da inzwischen einige Schiffe derselben 5 5 französische Kauf-fas'-rer, die in der Bertrambay lagen, überfielen und fast ganz zu Grunde richteten, nachdem sie diebeyden ihnen zur Bedeckung dienenden Kriegsschiffe dicht unter die Klippen getrieben hatten, wo sie -nachher verbrannt wurden. Der andre Theil der vereinigten Flotte,^ 19 Schiffe stark, unter demAdmiral Berklcv, bombardirte erst Brest, und hernach andre französische Seehase», aber mit kei-nem gar glücklichen Ausgang. Das vereinigte Geschwader legte sich in Begleitung einer großen Au- Am 17. Im«Zahl leichter Fregatten, Brander und Bombardirgaliotten zwischen Bertrambay und k.amaret, einerkleinen Landspike in der Mündung des Flusses, vor Anker, um hier zu landen. Allein, Vguban,den der König in dieser Absicht abgeschickt, hatte Brest so wohl befestigt und versehen, daß die Feindenach näherer Untersuchung der Lage des Orts die Unternehmung würden aufgegeben haben, wennnicht der englische Genera! Talmcrsh, der die Landtruppen anführte, darauf bestanden wäre. DieLandung ward also unternommen: aber die Engländer wurden sogleich wieder zu ihren Booten zurück- Am ir. Am.getrieben, welche größtcntheils mit der eben eintretenden Fluth auf den Grund geriethen, so daß dieSoldaten entweder gefangen oder getödtct wurden. Selbst Talmash, der den schlechten Auögangeiner Vcrräthercy Schuld gab, bekam eine Wunde, an der er starb. Und die Kriegsschiffe, diegleichfalls einigen Verlust an Maimschaft-gelitten hatten, wurden genöthiget, mit Zurucklassung ei-nes holländischen Kriegsschiffes, das den Franzosen in die Hände fiel, wieder in die offenbare Seezu gehen.
Die vereinigte Flotte begab sich hierauf an die Küsten der Normandie, und bombardirteim Julius Dieppe. Der dadurch verursachte Brand — denn die Stadt war größtcntheils von Holzgcbauet — verwüstete den ganzen Platz, und nöthigte die Einwohner und die Besatzung, ihn zu ver-lassen. Von da segelte die Flotte nach Havre de Grace; weil aber der widrige Wind die Annähe-rung der Bombardirgaliotten einigemal hinderte; so gewonnen die Franzosen Zeit zum Löschen undzur Verwehrung des Landcns. Der durch die Bomben verursachte Schade war also sehr gering.
Das vorhabende Bombardement der Stadt Dünkirchen schlug gar fehl. Die Engländer führten zwar
sechs Feuerschiffe von derjenigen Art mit sich, die sie vor St. Maio gebraucht hatten: aber zwey da- ' '
von wurden vergebens, und das eine sogar mit beträchtlichem Verlust für die Engländer, verzehrt.
Ludwigs Wem natürliche Söhne, der Herzog von Maine und der Graf von Toulouse, und derMarschall von Villeroi, die mit Truppen daselbst angekommen waren, hatten auch solche Anstaltengemacht, daß das Geschwader unvcrrichteter Sachen absegelte. Auch in Calais wurden einige Bom-ben geworfen: aber ein Sturm nöthigte die Flotte zur Rückkehr nach den Dünen. Diese Aengsti-S»ng französischer Seestädte, die einen grossen Theil des Sommers wegnahm, wurde von vielen füreine allzugrausame und unmenschliche Art, Krieg zu führen, gehalten: andre aber glaubten, es wäreNicht unbillig, mit eben den Waffen gegen Frankreich zu fechten, mit denen es Genua mitten imTrieben und in Teutschland auch solche Gegenden angegriffen, die es vorher gebrandschccht hatte.
Feldzüge, wie der bisher erzählte, erschöpfen den Staat, ohne etwas zu entscheiden.
Das Volk'fieng also sowohl in England als in Holland an zu klagen, daß man grosse Armeen unter-hielte , die sonst zu nichts dienten, als daß sie einige Monate im Angesicht des Feindes zu Felde lä-sen. Frankreich war auch durch die Last diejes an so vielen Orten zugleich geführten Krieges ganz^'schöpft. Der Kredit war gefallen, der Handel entkräftet, die Quellen der Einkünfte ziemlich ver-ttockner, und die Truppen, die nicht mehr richtig bezahlt wurden, fiengen an, stark auszureissen.
Frankreich gab deswegen auf allerhand Art seine Neigung zum Frieden zu erkennen. Weil aber dieDundsgmossm immer noch glaubten, es geschahe dies aus Noth, so gaben sie denen, ohnehin nurunter der Hand geäußerten Vorschlägen kein Gehör. < Man rüstete sich aufs neue. Um die nöthigenKosten aufzubringen, wurde, unter andern ungewöhnlichen Mitteln eine Kopfsteuer .durch ganz Kopfsteuer st,Frankreich ausgeschrieben, von welcher niemand, auch die Prinzen nicht, verschont blieb, und die Frankreich,selbst «ach geschlossenem Frieden noch ein halbes Jahr lang fortdanrcn sollte. Nach einer genauenZahlung des Volks wurde es nach den mannichfaltigen Verhältnissen seines Vermögens, in zwey undZwanzig Klassen getheilt, wovon jeder, der in die erste gehörte — und das waren die Prinzen —
Oovor jähr-