zo. Buch. Ludwig der Vierzehnte. 689
Mssprüche einige Anführer der Lamifärvg zu Beförderung ihrer Absichten listig anzuwenden suchten.'Lurch die Verfolgungen war die Einbildungskraft einiger dieser Leute so sehr erhitzt, daß sie sich imErnst für Propheten hielten; und dies war eben die Schule der neuen Propheten, aus welcher eistuge Zähre hei nach diejenigen ausgegangen sind, die in England, Holland und Teutfchl.md so vielAufsehn gemacht haben. Durch Hülfe dieser Propheten nah», die Anzahl der streitbaren Lamisarvsso lehr zu, König viele Truppen nach Languedok schicken muste. Ein gewisser Julien, der
vorher reformier gewesen, hatte den Befehl darüber. Er betrug sich aber so vorsichtig, daß er einerScheunen Neigung zu seinen vorigen Glaubencbrüdern beschuldigt wurde. Der Aufstand nahm alsoimmer mehr überstand, und die Camisards wurden in kurzer Zeit in den Waffen so geübt, daß sieöfters ganze Parteyen königlicher Truppen in die Flucht schlugen, und unter ihren Anführern ve laPorte, Rollanv, Jean Lavalier und andern. Thaten verrichteten, über die selbst die königliche»Kriegövblker erstaunten-
Der Marschall von Assontrcvcl, der be» zunehmenden Unruhen in die Cevennrschen Gerbürge geschickt wurde, war der Mann nicht, der sie hatte stillen können: vielmehr vergrößerte er sie,indem er sowohl mit denen, die er in den Waffen antraf, als auch mit denen, die sich in den Dör-fern ruhig hielten, sehr grausam umgieng. Freylich war der Krieg, den er zu führen hatte, sehrverdrießlich ; wenn er aufscineFeinde losgchen wollte, so fand er keine; und so bald er zurück war,so erschienen sie. -Da er nun nichts taugliches verrichten konnte; so beschäftigte er sich mit Anzünrdüng einiger verdächtigen Dörfer, und wandte also seine Zeit noch schlimmer an. Einmal schloß ergar einen Haufen von hundert und fünfzig Alten, Weibern und Kindern in einer Mühle bey Nimesein, wo sie sich versteckt hatten, ließ sie durch Dragoner anzünden, und diejenigen, die dem Feuerentlaufen wollten, todt schießen. Dies vermehrte die Verzweiflung dieser Unglücklichen, und zu-gleich die Anzahl und den Muth der Aufrührer. Zm folgenden Jahr muste Man den Marschallvon Monrrevcl zurückberufen und dagegen den Marschall von Villars, der sich mit dem Kurfür-sten von Bayern überwerfen hatte, in diese Gegenden schicken. Dieser kam zugleich mir den Waf-fen und dem Oelzweig in der Hand und ließ eine allgemeine Vergessenheit des Vergangenen bekanntmachen. Nachstdcm versprach er allen, die aus dem Reiche gehen wollten^ Gclcitsbnefe, nebstallem, was zu ihrer Reise in die Schweitz dienen könnte. Er erlaubte ihnen auch, ihr Vermögenzu Geld zu machen, oder in ihrer Abwesenheit Verwalter darüber zu bestellen. Er gicng noch weiter-er ließ einem der vornehmsten Anführer der Camisards, Lavalier, Friedensvorschläge thun, undschloß mit ihm einen Stillstand. Rollcrnv, ein andrer Anführer, der nichts von diesem Stillstandwüste, schlug inzwischen ein Bataillon königlicher Völker, schickte aber die Gefangenen zurück, sobalder von dem Stillstand Nachricht erhielt, und kam selbst zu dem Marschall nach Nimes. Man kamüber gewisse vorläufige Bedingungen überein, worunter auch diese war, daß alle ihre Verwandteund Freunde, die um der Religion willen auf die Galeeren gekommen, losgelassen werden sollten.Ausserdem wurde beliebt, daß die Truppen der Aufrührer bis zur Wiederkunft des mit den Bedin-gungen an den König geschickten Couriers auf königliche Kosten unterhalten, und nachher aus ihnenvier Regimenter sollten gemacht werden, die dem König dienen, und von ihre» bisherigen Anfüh-rern, als Obristen, kommandirt werden sollten. Allein, noch vor der Bestätigung dieses Vergleichswurden die Lamisarvs durch einige aus Holland gekommene Personen des Beystandes der vereinig-ten Flotte und des Herzogs von Savoyen versichert, und ihnen ein solches Mißtrauen in das Wortdes Königs von Frankreich eingeflößt, daß sich drey von den Anführern mit ihren Truppen plöklichentfernten, und daß nur Lavalier mit hundert und dreyßig seiner Leute die Amnestie annahin.Man errichtete daraus eine Freykompagnie, über die man ihn zum Hauptinann bestellte- aber aufdem Wege nach Dreyfach fand er Mittel, mit seinen Leuten nach Neufchatel und von da i,ach Pie'mont zu fliehen, wo er bey dem Herzog von Savoyen Dienste nahm, und nach einiger Zeit wiederin Holland erschien.
Der Krieg gieng also von neuem an. Die Lamisarvs hofften immer auf auswärtigeHülfe, die man ihnen versprochen hatte. Sie wurden auch würklich von Holland aus durch Geldund Waffen unterstützt. Wagenaar meldet, die Gencraiftaalen hätten ihnen hunderttausend Gul-den geschickt: aber die Flotte, die sie noch weiter mit Geld und Waffen versehen sollte, wäre zu spatim Herbst auf der Höhe von Naibonne angekommen, um eine Landung zu wagen. Die Küste» wa-ten auch sehr gut verwahrt. Daher äusserte Villars auch mehr Strenge gegen diese Leute. Er ließMg.W.-H.zs.Tl-. N.H.LI.TH. Sss ö die
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