zo. Buch. Ludwig der Vierzehnte. 70l
Nach vielfachem Briefwechsel kam der Präsident Rottille' nebst dem Staatsrath Voisiu 1709Nach Antwerpen, von wo sie sich nach einem Hause bey Woerden begaben, und daselbst mit den hol-ländischen Abgeordneten Buys und van vec Dusten Unterredungen hielten. Letztere verlangten dieganze spanische Monarchie »»zertheilt für Rarl den Dritten, und eine gute Vormauer vor die ver-einigten Niederlande und vor Teutschland; ferner die Schleifung der Dünkirchcr Festungswerke, dieErkennung der Königin Anne von Großbritannien, die protestantische Nachfolge in England, unddie Entfernung des Prätendenten aus Frankreich. Rouille' beschwerte sich vornemlich über denletzten Artikel, und benachrichtigte seinen Hof davon. Die Holländer machten weiter kein Geheimnißaus diesen Unterhandlungen. Eugen und Marlborough beschlossen nach einer Unterredung mit denholländischen Abgeordneten, die wichtigsten, jeden Bundsgenossen besonders betreffenden Punkte soll-ten vorläufig ausgemacht, und die Vorschläge des französischen Hofs weniger allgemein und ausführ-licher gemacht werden. Rouille' hatte sich nemlich verlauten lassen, man wolle Spanien und Indienan Aarl den Dritten abtreten, wegen der übrigen Staaten aber hoffe man, die Holländer desto wil-liger zu einem Vergleich zu finden, da sie nie eine Theilung der spanischen Monarchie verworfenhätten. Er versprach ihnen auch abermals eine ansehnliche Vormauer und grosse Handlungs-vortheile.
So abschreckend auch die Forderungen der Holländer waren, so sah sich doch Ludwig derVierzehnte durch so viele Niederlagen, durch die erschöpften Finanzen, durch die bey der außeror-dentlichen Kalte des diesjährigen Winters in Frankreich eingerissene Hungersnoch, durch das unauf-hörliche Wehklagen seines Volks und durch die Zwistigkeiten seiner Staatsbedicnten genöthiget, denStaatssekretär Torcy mit nöthigen Friedcnsvorschlägen nach Holland zu schicken, und diese Republiknoch vor Eröffnung des Feldzugs durch die vortheilhaftesten Erbietungen zu einem besondern Friedenzu bewegen. Ali.in, die Generalstaaten konnten sich nicht entschließen, ihre Vortheile von den Vor-theilen ihrer Bnndsgenossen zu trennen; Eugen und Marlborough, in Verbindung mir dem Rath-Pensionär ^cinsius, vereitelten alle Kunstgriffe der französischen Staatskunst. Dies bewürkte ge-meinschaftliche Unterhandlungen im Haag, bey denen sich der Prinz Eugen und der Graf von Sin»zenvorf kaiserlicher Seits, Marlborough und Townshend von England, Buyg, van ver Dustscn und Hemsius von Seiten Hollands, als Abgeordnete befanden. Auch hier wendeten die fran-zösischen Minister alle mögliche List an, um Eifersucht und Mißverständniß unter den Verbündetenzu erregen und dadurch einen besondern Frieden mit einem oder dem andern Theil zu erleichtern: aberman blieb standhaft, und wurde endlich über vierzig vorläufige Artikel einig, die bey dem Friedens- DierrEvorrä,»-fchluß zum Grund gelegt werden müsten. Sie waren für Frankreich sehr hart, wie aus folgenden,als den vornehmsten, erhellet: Man sollte eiligst einen guten, beständigen und allgemeinen Friedenschließen, und zu dem Ende Rarl den Dritten als König von Spanien, Indien, Neapel und Sici-lien, überhaupt als Herrn der ganzen spanischen Monarchie, erkennen, so wie Ttarl der Zwecke siebesessen hätte, ausgenommen die Barriere der Generalstaaten, und dasjenige, was an Portugal undSavoycn, nach den uüter den Bundsgenosse,! gemachten Vertragen abgetreten werden müsse. DerKönig von Frankreich sollte dem Herzog von Anjou — selbst Torcy und Rouille' verlangten in demEntwurf dieser Artikel keinen andern Titel für Philippen — bewegen, Sicilien dem König Rarlnoch vor dem ersten September dieses Zahrs abzutreten. Indessen sollte er seine Truppen aus Spa-nien ziehen, und den Herzog nicht weiter unterstützen. Frankreich sollte nie nach dem spanischenAmerika handeln, noch weniger sich desselben bemächtigen. Straßburg, Kehl und Alt-Brevsachsollten dem Kaiser zurückgegeben werden, Frankreich aber die zehen Elsasser Städte vermöge desmünsterischen Friedens behalten, nur Landau ausgenommen, welches der Kaiser wieder bekommensollte. Hüningen, Neu-Brcysach und Fort-Louis sollten auf immer geschleift werden. Wegen desvierten Artikels des Nyswyker Friedens sollte man bey den allgemeinen Unterhandlungen einen nähernSchluß fassen. Frankreich sollte die Königin Anne als Königin von Großbritannien, und die prote-stantische Thronfolge in diesem Königreich erkennen. Der Prätendent sollte aus Frankreich geschafft,die Insel Neuland an Großbritannien abgetreten und Dünkirchen geschleift werden. Frankreichsollte den Kurfürsten von Brandenburg als König von Preussen erkennen, und ihn nie in dem Besitzvon Neufchatel und Valengin stöhren. Den Staaten der vereinigten Niederlande sollte FrankreichFurnes, Warneton, Cvmincs, das Fort Knoke, Menin, Ppercn, Warwyk, Poperingen, und waszu diesen Oertern gehört, übergeben. Nyssel, Dornik, Conde' und Maubeuge sollten nebst den
Ttt t z übrigen